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Robert Enke: Erklärungsversuch in der Pressekonferenz zum Suizid

Erklärungsversuch zum Robert Enkes – Witwe und Therapeut des Nationalkeepers brechen in aller Öffentlichkeit ein Tabu

Hannover (ddp). Es ist eine beklemmende und unwirklich erscheinende Pressekonferenz, die an diesem Mittwochnachmittag beim Fußball-Bundesligaverein Hannover 96 stattfand: Keine 24 Stunden nach dem völlig unerwarteten Selbstmord von Nationaltorwart gab der Club des mit 32 Jahren verstorbenen Profisportlers eine Stellungnahme ab, die es so in Deutschland noch nicht gegeben hat.

Robert Enkes Witwe Teresa schilderte unter Tränen und dennoch gefasst aller Öffentlichkeit, was außer ihr kaum jemand wusste: dass ihr Mann – der gefeierte Publikumsliebling des Bundesligisten – über Jahre unter schweren Depressionen litt. Und Enkes behandelnder Arzt Valentin Markser erklärte neben Teresa Enke sitzend, warum selbst er als Fachmann bis zuletzt einen Selbstmord Enkes ausschloss. Vor unzähligen Journalisten und wohl Millionen Menschen am , brachen sie ein Tabu: Sie reden in aller Öffentlichkeit über die Selbsttötung eines Menschen. Vermutlich um andere Depressive dazu zu ermuntern, nicht über ihre Krankheit zu schweigen.

Ganz in schwarz gekleidet schilderte Teresa Enke, dass ihr Mann schon seit Jahren in medizinischer Behandlung bei dem Kölner Psychotherapeuten Markser war. Immer wieder habe der Mediziner eine stationäre Behandlung in einer Klinik angeregt – zuletzt noch am Dienstag, wenige Stunden bevor sich Robert Enke gegen 18.30 Uhr nördlich von Hannover von einem Regionalzug überfahren wurde. Doch Robert habe stets abgelehnt aus Furcht, dass die Öffentlichkeit von seiner Krankheit erfahren könnte, sagte Frau Enke: «Er wollte es nicht aus Angst, dass es herauskommt, und aus Angst, er könnte dann Leila verlieren.»

Leila, die achtmonatige Tochter, hatte das Ehepaar Enke im Frühjahr adoptiert. Die leibliche Tochter Lara verloren die Enkes im 2006. Das zweijährige Kind litt an einem schweren Herzfehler. Vater Robert hat den Tod von Lara wohl nie evrwunden. Ihren Namen hatte er sich für alle sichtbar auf den Unterarm tätowieren lassen.

Teresa Enke gab dennoch bis zuletzt die Hoffnung auf Besserung seines Zustands nicht auf. Sie habe ihrem Mann immer wieder versucht beizubringen, «dass es so viele schöne Dinge im Leben gibt», berichtete sie. Doch wenn es überhaupt etwas gab, was Robert Enke Kraft zum Weitermachen schenkte, sei es der Fußball gewesen. «Das war sein Leben, sein Lebenselixier», berichtete sie. Teil der Mannschaft zu sein und täglich zum Training fahren zu können – das «war für ihn der Halt», fügte Teresa Enke hinzu und umklammerte fest ihr weißes Taschentuch. Immer wenn sie sich damit die Tränen im Gesicht trocknete, grellte ein Blitzlichtgewitter der vielen anwesenden Fotografen auf.

Robert Enkes behandelnder Arzt, Valentin Markser, erklärte dann beinahe rechtfertigend, dass der Sportler nicht an einer «typischen endogenen Depression» mit plötzlich auftretender Suizidabsicht gelitten habe. Vielmehr seien es über Jahre und bis zuletzt «eher depressive Phasen nicht mit akuten, sondern eher latenten Selbstmordgedanken» gewesen, sagte Markser. Und sein Patient habe über die Jahre «Abwehrmechanismen» entwickelt, um diese Gedanken zu verbergen. «Die Indikation für eine Zwangseinweisung bestand meiner Ansicht nach nicht», sagte Markser.

Robert Enke ist nicht der erste deutsche prominente deutsche Fußballprofi, der an Depressionen litt. Vor ein paar Jahren sorgte der ehemalige Nationalspieler und Bayern-Profi Sebastian Deisler für Aufsehen, als er an dem gleichen Leiden erkrankte und letztendlich deswegen seine Karriere beenden musste. Der Unterschied zu Enke ist, dass Deisler an die Öffentlichkeit ging. In der Welt des deutschen Profifußballs, wo Schwächen kaum gezeigt werden, war das ein mutiger Schritt und kam einem Outing gleich.

Robert Enke wagte diesen Schritt nicht. In seinem Abschiedsbrief entschuldigte er sich für die «Täuschung» seines Vereins, seiner Mannschaftskameraden und der allgemeinen Öffentlichkeit über seinen wahren seelischen Zustand, wie Mediziner Markser auf der Pressekonferenz berichtete. Das Unverständnis über Enkes Verhalten wird bleiben, selbst bei Witwe Teresa, die ihn am besten kannte. «Es hätte für alles eine Lösung gegeben», sagte sie mit bebender Stimme. Von ddp-Korrespondent Haiko Prengel

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