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ARD zeigt das bewegende Drama «Keine Angst» von Aelrun Goette

ARD zeigt das bewegende Drama «Keine Angst» von Aelrun Goette

Köln (ddp). Kinderarmut und Verwahrlosung, Alkoholsucht und Vergewaltigung: Viele Probleme hat Martina Mouchot in das Drehbuch zu dem -Drama «Keine Angst» gepackt. Und die versierte Filmregisseurin und Grimme-Preisträgerin Aelrun Goette schreckt nicht zurück vor den Konflikten, in die zwei verliebte 14-jährige Teenager geraten. Mit großer Genauigkeit beschreibt sie die Härten, denen sich das junge Paar ausgesetzt sieht, weil es vor der sozialen Kluft zwischen ihren Elternhäusern nicht zurückschreckt. Das Erste zeigt das bewegende Sozialdrama am Mittwoch (10. März) um 20.15 Uhr.

Die 14-jährige Becky (Michelle Barthel) muss häufig auf ihre drei jüngeren Geschwister aufpassen, weil ihre alkoholkranke Mutter Corinna (Dagmar Leesch) damit überfordert ist, den Alltag in der schäbigen Wohnung in einer trostlosen Hochhaussiedlung zu organisieren. Becky macht das gern, erntet von ihrer besten Freundin Melanie (Carolyn Sophia Genzkow) dafür aber spöttische Sprüche. Während Becky von der ersten romantischen Liebe träumt, hat die hübsche Melanie, auch «Zuckerbitch» genannt, schon einige Erfahrungen mit den ruppigen Jungs im Viertel gesammelt.

Als Becky im Bus beim Schwarzfahren erwischt wird, hilft ihr der schüchterne Bente (Max Hegewald) aus der Patsche. Das Mädel kann es kaum glauben, so etwas hat noch nie jemand für sie getan. Sie findet heraus, dass er in einem hübschen Haus mit Garten und Eltern aufwächst, die am Sonntag Apfelkuchen backen. Die beiden verlieben sich, stoßen aber rasch auf Hindernisse.

So präsentiert Corinna ausgerechnet Thomas (Frank Giering), den Melanies Mutter gerade rausgeworfen hat, als neues Familienoberhaupt. Und während Bentes Eltern von dem aus dem sozialen Brennpunkt alles andere als begeistert sind, wird Becky Zeugin, wie Melanie von den Jungs der Hochhausclique drangsaliert wird. Als Becky ihr helfen will, kommt es zwischen beiden zum ersten großen Streit. Aber so schnell geben Becky und Bente nicht auf.

Die Berliner Regisseurin Aelrun Goette hat sich in den vergangenen zwölf Jahren als Spezialistin für harte gesellschaftliche Themen etabliert. In ihrem Debütfilm «Ohne Bewährung – Psychogramm einer Mörderin» porträtierte die 43-Jährige ein 15-jähriges Mädchen, das eine 13-Jährige zu Tode quälte. Der vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilm «Die Kinder sind tot» (2003) analysiert den Fall einer Mutter, die 1999 ihre beiden Söhne verdursten ließ. Und ihr erster Spielfilm «Unter dem Eis» (2005) erzählt von einem kleinen Jungen, der eine Mitschuld am Tod eines kleines Mädchens trägt, und brachte Goette einen Adolf Grimme Preis ein. Der «Tatort»-Krimi «Der glückliche Tod» befasste sich mit dem Thema Sterbehilfe.

Auch der vom WDR in Auftrag gegebene «Keine Angst» gewann Auszeichnungen: Beim Festival des deutschen Kinos – Filmz in Mainz erhielt er den Publikumspreis und beim Chemnitzer Filmfestival «Schlingel» den Förderpreis der DEFA-Stiftung und den Fair-Play-Preis. Und die 16-jährige Michelle Barthel, die die heikle Hauptrolle mit ihren großen Augen scheinbar problemlos meistert, wurde vor kurzem beim Festival von Biarritz in der Kategorie Drama als beste internationale ausgezeichnet.

So erschütternd und bitter wie das deprimierende Psychodrama «Unter dem Eis» ist «Keine Angst» nicht. Goette bemüht sich zwar um eine realistische Beschreibung des tristen Milieus und drehte zum Teil mit Laiendarstellern aus einem sozialen Brennpunkt in Köln-Porz, die für eine authentische Atmosphäre sorgen. Goette und die Drehbuchautorin Mouchot mildern die Härte der Beschreibung jedoch, indem sie den Schwerpunkt auf die Liebesgeschichte verlagern und dem blutjungen Romeo & Julia-Paar am Ende wenigstens einen Funken Hoffnung lassen.

Goette sah in dieser Konstellation «die Chance, eine hoffnungsvolle Liebesgeschichte vor dem Hintergrund deutscher Armut zu erzählen». Und damit auch den Zuschauer zu verführen, «sich auf ein Stück Lebenswirklichkeit einzulassen, das er meist nur in Form von Sensationsmeldungen oder nüchternen Zahlen präsentiert bekommt». Das ist ihr in diesem packenden Drama, das viel Stoff zum Nachdenken liefert, überzeugend gelungen.

(ddp)

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Comments (1)

  1. katja sagt:

    diese film ist einfach traurik mit anzusehen aber wahr