[Crime] [Feature] Lebenslang und zehn Jahre Knast: Hohe Haftstrafen wegen tödlicher Schießerei in Eisdiele in Darmstadt-

Rund eineinhalb Jahre nach einer Schießerei mit drei Toten in einer Rüsselsheimer Eisdiele sind drei Männer zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Der 29 Jahre alte Taylan K. muss wegen Mordes lebenslang in Haft, die 24 und 33 Jahre alten Brüder Erdal und Serdal E. wegen Mordversuchs zehn Jahre, wie das Darmstädter Landgericht am Mittwoch urteilte.

In der Begründung sprach das Gericht von einem «Krieg in Rüsselsheim», in dem sich zwei Familienclans um ihren Einfluss in der Türsteherszene stritten. Ausgangspunkt für das tödliche Geschehen an einem Augustabend 2008 war ein Treffen von Mitgliedern der Familien K. und E. in der Eisdiele. Mitgebracht hatten sie mindestens zwei Pistolen, zwei Messer und Waffen sowie Schlagringe.

Schon nach kurzer Zeit eskalierte die Zusammenkunft. Bei der Schlägerei flogen Tische, Waffen wurden gezückt, Gäste des Cafés und die Tatbeteiligten flüchteten nach draußen. Erkan K., der Sekunden später sterben sollte, schoss auf Deniz E., den Bruder von Serdal und Erdal E. Dabei traf er eine unbeteiligte 55 Jahre alte Griechin, die vom Tatort flüchten wollte, tödlich. Die Frau verblutete auf dem Straßenpflaster.

Auch Taylan K. feuerte Pistolenschüsse auf Deniz E. und tötete ihn – schoss dabei aber unabsichtlich auch seinem Cousin Erkan ins Herz. Wieder Sekunden später fielen Serdal und Erdal E. über den sterbenden Erkan her, stachen ihm insgesamt 16 Mal in Rücken und Kopf. Serdal E. hatte in diesem Moment bereits fünf Steckschüsse im Leib und zwei Messerstiche erlitten, überlebte aber. Einen hilfsbereiten Passanten, der bei dem am Boden Liegenden gerade den Puls fühlte, stießen die beiden zur Seite.

«Die Spurenlage war zunächst wüst», sagte der Vorsitzende Richter Volker Wagner. Einmal mehr seien forensische Fachärzte «ganz entscheidende Zeugen auch für die Opfer gewesen». In dem im Mai 2009 eröffneten Verfahren hatte ein Frankfurter Rechtsmediziner mit einer aufsehenerregenden Blutspurenanalyse Licht ins zunächst dunkle Tatgeschehen gebracht. Die Angeklagten hatten sich im Prozess gegenseitig beschuldigt und auch die Opfer Erkan K. und Deniz E. sowie einen zwischenzeitlich in die Türkei geflüchteten Tatbeteiligten belastet.

«Es gibt in unserem Land ein Milieu, in dem eigene Gesetze gelten», resümierte der Richter Wagner am Mittwoch. In einem Café mitten in einer Stadt dürfe so etwas jedoch nicht geschehen, fügte der Richter hinzu und begründete auch damit die hohen Strafen für die wegen Mordversuchs verurteilten beiden Brüder. Die Staatsanwaltschaft hatte für Taylan K. lebenslange Haft gefordert, für die beiden anderen Angeklagten mehrjährige Gefängnisstrafen, die unter dem am Ende vom Gericht verhängten Strafmaß lagen. Die Verteidiger wollten Freisprüche.

Mit Zwischenrufen, gegenseitigen Vorwürfen und lautem Schluchzen hatten Angehörige der verfeindeten Familien eine reguläre Urteilsverkündung zeitweise unmöglich gemacht. «Ich brauche meine Söhne», rief die Mutter der beiden verurteilten Brüder, nachdem sie des Saals verwiesen worden war. «Es war nach fast einem Jahr Prozessdauer eine auch emotional vorgetragene Urteilsbegründung», sagte einer der Anwälte am Ende des Verfahrens. Ob die Beweisführung Bestand habe, werde die Revision vor dem Bundesgerichtshof entscheiden.

blogtainment/maa/ddp

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