NDR trennt sich von suspendierten Fernsehredakteur – Anwältin weist Bestechlichkeit zurück

Wegen nicht genehmigter Nebentätigkeiten hat sich der Norddeutsche Rundfunk (NDR) endgültig von einem bereits suspendierten Fernsehredakteur getrennt. Der Mitarbeiter habe selbst fristlos gekündigt, um einer bereits vorbereiteten fristlosen Kündigung durch den Sender zuvorzukommen, teilte der NDR am Mittwoch in Hamburg mit. Daraufhin sei das Arbeitsverhältnis mit sofortiger Wirkung aufgelöst worden. Der Journalist bedauere seine Verfehlungen und trage hierfür die Konsequenzen, sagte seine Anwältin Annette Marberth-Kubicki. Den Vorwurf der Bestechlichkeit weist er jedoch zurück. Derweil durchsuchten Beamte erneut Objekte.

Der TV-Redakteur hatte eingeräumt, nicht genehmigte Nebentätigkeiten ausgeübt und somit gegen arbeitsrechtliche Bestimmungen und Interessen des NDR verstoßen zu haben. Der Mitarbeiter hatte Funktionären der schleswig-holsteinischen CDU insgesamt elf Medientrainings gegeben, darunter der jetzige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen.

Nach Angaben des NDR endet mit der Auflösung des Arbeitsverhältnisses gleichzeitig die Gehaltszahlung. Eine Abfindung zahlt der Sender eigenen Angaben zufolge nicht. Marberth-Kubicki zufolge war «nach der massiven, zum Teil die Persönlichkeit verletzenden Berichterstattung, an der auch der NDR beteiligt war», eine Fortsetzung der Tätigkeit nicht mehr möglich. Dieser Schritt sei dem Redakteur nach 24-jähriger Zugehörigkeit zum NDR sehr schwer gefallen. Bei seinen Kollegen habe er sich bereits entschuldigt und wiederhole dies hiermit, hieß es weiter.

Zudem ermittelt die Kieler Staatsanwaltschaft gegen den Redakteur wegen des Vorwurfs der Bestechlichkeit. Er soll von mindestens einer Firmengruppe Geld dafür erhalten haben, dass er ihr Sendezeiten im Fernsehen verschaffte oder sich dazu bereiterklärte. Gegen den damaligen Verantwortlichen der Firmengruppe richtet sich entsprechend der Verdacht der Bestechung. Nach Angaben der Damp Gruppe erhielt der Journalist insgesamt 86 100 Euro. Das Unternehmen distanziert sich aber von dem Vorwurf, es habe Sendezeiten erworben.

Gegen die Vorwürfe der Bestechlichkeit will sich der TV-Redakteur «mit ganzer Kraft verteidigen». Marberth-Kubicki forderte schnelle Akteneinsicht, um die Abgabe einer umfassenden Stellungnahme prüfen zu können.

Am Mittwoch durchsuchten Beamte indes weitere acht Objekte in Schleswig-Holstein und Hamburg. Die Ermittlungen hätten zu einer Erweiterung des Tatverdachts gegen den Journalisten geführt, teilte die Kieler Staatsanwaltschaft mit. Weitere Angaben wollte ein Sprecher nicht machen.

Ferner prüfen der NDR und der Landesrundfunkrat Schleswig-Holstein Berichte, die der TV-Redakteur selbst erstellt hat und die in seiner Verantwortung als Tages- oder Nachrichtenredakteur gesendet wurden. «Dabei werden auch die redaktionellen Abläufe und Kontrollmechanismen nochmals im Detail und am Beispiel dieses Falles erörtert», sagte Friedrich-Wilhelm Kramer, Direktor des NDR Landesfunkhauses Schleswig-Holstein.

(ddp)

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