Nemirovas «Rheingold» in Frankfurt

Walhall gibt es nicht mehr. Am Ende vom «» tragen die Götter Smoking und Abendkleid, singen noch einmal, verlassen dann die Bühne und nehmen Platz im Publikum.

Ihre Zeit ist zu Ende, der der eingeläutet. Wo in seinen Regieanweisungen die Götter über einen Regenbogen in ihre einziehen lässt, greift Regisseurin Vera beherzt ein: Sie liest den Vorabend zum « des Nibelungen» ganz abstrakt-analytisch als göttlicher Macht.

Dazu haben sie und ihr Bühnenbildner Jens Kilian Bilder bezwingender Intensität entworfen: Den kompletten Abend siedeln sie auf einer schräg im Raum stehenden an, die aus vier konzentrischen Ringen besteht. Diese sind jeweils frei drehbar, so dass aus der Weltenscheibe je nach Einstellung auch ein mehrdimensionales, verwobenes Gebilde werden kann. «In der Natur existiert keine gerade Linie. Alles ist rund oder gekrümmt», sagt Kilian, der bereits für die Stuttgarter «Rheingold»-Inszenierung das Bühnenbild entworfen hat. «Kreis und Strich sind die Grundformen allen menschlichen Schaffens.»

Rund herum um diese Scheibe existiert nichts. Der Bühnenhintergrund ist blau beleuchtet. Während der Es-Dur-Akkorde des Vorspiels, die den Naturzustand symbolisieren, dient die Weltenscheibe als Projektionsfläche für fallende Wassertropfen. Zugleich gerät jene Scheibe aber auch zum Symbol der alten Macht der Götter, die in den folgenden drei Opern «Die Walküre», «Siegfried» und «Götterdämmerung» mehr und mehr einer menschlichen weichen wird – die Welt als Scheibe und Vorstellung.

Auch von der musikalischen Umsetzung zeigte sich das Premieren- Publikum begeistert: Am Pult stand der Frankfurter Generalmusikdirektor Sebastian . Er gilt in Fachkreisen als versierter Wagner-Kenner – nicht nur, weil er in den vergangenen Jahren bei den Festspielen «Die Meistersinger von » dirigierte. Tosenden Applaus gab es auch für Jochen Schmeckenbecher als Alberich und Terje Stensvold als Wotan.

Die Messlatte für Nemirova, deren erster «Ring» dies ist, liegt hoch. Denn in Frankfurt gab es seit 1945 zwar erst zwei vollständige «Ring»-Inszenierungen: eine von Michael Gielen, Ruth Berghaus und Axel Manthey (1985-1987) sowie die aus Brüssel übernommene Produktion von Herbert Wernicke (1994/95). Doch beide gelten als Meilensteine der Wagner-Rezeption. Ob der dritte Frankfurter «Ring» sich in diese Tradition einreihen kann, wird sich aber erst 2012 zeigen. Denn dann erst ist das aus vier Teilen bestehende Musikdrama abgeschlossen.

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