Ulrich Wilhelm will BR-Intendant werden

Der Vorwurf zu großer Nähe zwischen dem öffentlich-rechtlichen und der Politik hat jüngst das ZDF wegen der CDU-Vorbehalte gegen Ex-Chefredakteur Nikolaus Brender getroffen.

Mit der Wahl des neuen Intendanten im Bayerischen Rundfunk (BR) am 6. lebt die Debatte um Staatsferne nun im viertgrößten ARD-Sender wieder auf.

Favorit für die Nachfolge von Noch-BR-Intendant an der Spitze des Senders ist der CSU-Mann Ulrich (48) – derzeit Regierungssprecher in Berlin und zuvor lange in Diensten der Bayerischen Staatsregierung.

Wenn auch die persönliche Integrität Wilhelms selten direkt infrage gestellt wird, stößt der Wechsel vom Regierungssprecher zum Rundfunk-Intendanten manchem sauer auf. Vier Mitglieder des 47-köpfigen Rundfunkrates, der am 6. Mai die Wahl zwischen Wilhelm und dem langjährigen BR-Landtagskorrespondenten Rudolf (58) haben, sprechen offen von einem abgekarteten Spiel.

«Wir kritisieren das völlig intransparente Verfahren bei der Intendantenwahl des Bayerischen Rundfunks, das ganz offenkundig gezielt dazu ausgelegt ist, einen bestimmten Kandidaten ins Amt zu hieven», erklärten (Freie Wähler), (Grüne), Heide Langguth (DGB/Gewerkschaften) und (Schriftstellerverband). Sie stellten mit Erhard einen – wenn auch vermutlich aussichtslosen – Gegenkandidaten zu Wilhelm auf.

Rundfunkratsvorsitzender Bernd Lenze verwahrt sich gegen den Vorwurf: «Ich mache darauf aufmerksam, dass mehr als zwei Drittel der Mitglieder des Rundfunkrats parteipolitisch völlig unabhängige Persönlichkeiten sind.» Die Kandidaten selbst wollen sich vor der Wahl nicht öffentlich äußern. Der SPD-Landesvorsitzende , selbst Mitglied im , hat sich noch nicht festgelegt: «Beide müssen erstmal sagen, welches Konzept sie für den Bayerischen Rundfunk haben». Gerade Wilhelm müsse deutlich nachvollziehbar machen, dass ihm die Staatsferne wichtig sei «und er nicht der verlängerte Arm der CSU im BR ist», sagte Pronold.

Eine ordnende Hand in der Frage seiner Nachfolge wird Gruber selbst zugesprochen, der mit seiner überraschenden Ankündigung eines vorzeitigen Rückzugs Ende März den Stein ins Rollen brachte. Der 67-jährige Gruber hat bis Ende 2011 einen Vertrag, kündigte am 25. März jedoch seinen Rückzug schon zum 31. Januar 2011 an.

«Nach 30 Jahren beim Bayerischen Rundfunk möchte ich die Verantwortung in jüngere Hände legen. Angesichts der großen Herausforderungen, die auf unser Haus in naher Zukunft zukommen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Generationswechsel», teilte er dem Rundfunkrat mit.

Zu dem Zeitpunkt wurde der Name Wilhelm längst unter der Hand als möglicher Nachfolger genannt – nun plötzlich war bei der Neuwahl Eile geboten. Im Großen Sitzungssaal des tritt daher am 6. Mai der Rundfunkrat zusammen. Die Wahl des Intendanten ist letzter Tagesordnungspunkt – und wie die Debatte um den Drei-Stufen-Test nicht öffentlich.

Wilhelm und Erhard stellen sich in Rede und Antwort dem Gremium, danach wird geheim abgestimmt und ausgezählt, erläuterte ein BR-Sprecher. Bis zum frühen Abend wird das Ergebnis erwartet. Vielen gilt die Wahl Wilhelms als sicher.

Frei von Spannung ist die Intendantenwahl im BR aber nicht immer: Überraschend und mit 26 zu 21 Stimmen setzte sich der damalige Hörfunkdirektor Gruber 2001 gegen den Fernsehdirektor Gerhard Fuchs durch. Fuchs galt vielen als Favorit und hatte vor allem die Unterstützung von Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) auf seiner Seite. Dass es dieses Mal ähnlich eng wird, gilt als unwahrscheinlich. Den Vorschlag Wilhelm tragen 27 Ratsmitglieder, Erhards vier. Bleiben aber 16 Stimmberechtigte, die sich bisher nicht positioniert haben.

Gruber scheidet Ende Januar nach knapp 30 Jahren im Sender und davon fast einem Jahrzehnt als Intendant mit einer guten Bilanz. Er gilt als anerkannter Reformer des knapp 4000 Mitarbeiter zählenden Bayerischen Rundfunks. Seine unprätentiöse Art hatte ihm auch in zwei Jahren als ARD-Vorsitzender (2005/2006) Hochachtung eingetragen.

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