Kreuzberger Nächte sind manchen zu lang

Für Dolce Vita in braucht es kaum mehr als Pizza in Pappschachteln und Wein aus dem Supermarkt. Wer früh am da ist, erobert sich zum Sitzen einen Poller auf der .

Der Rest der lässt sich auf dem Pflaster mitten auf der Straße nieder. Ein Mann verkauft aus einem Bollerwagen. Der Geruch von Döner und Joints liegt in der Luft, als der erste Trommler zur Bongo greift.

Etwas unsicher stehen zwei Engländerinnen zwischen den Sitzenden. Sie haben in einem Internetforum gelesen, dass die ein guter Ort «zum Chillen» sei und man Leute kennenlernen könne, womöglich sogar .

Sie sind nicht die einzigen, die das gehört haben. Auf Flyern von Billigfluglinien wird die Admiralbrücke Rucksack-Touristen und anderen als Party-Ort angepriesen. Auch der Konflikt, mit denen, die nicht feiern, sondern schlafen wollen, hat sich rumgesprochen. Als der «» im vergangenen Jahr die «Dauerparty-Zone » ausrief, war auch die Admiralbrücke gemeint.

Wo noch vor wenigen Sommern nur einzelne Träumer in die untergehende Sonne über dem Landwehrkanal blinzelten, sitzen an lauen Abenden knapp hundert Leute. Je länger es draußen warm ist, desto mehr werden sie. Dann wird aus italienischer Leichtigkeit oft ein Massenbesäufnis auf der Straße.

Im vergangenen Sommer verging kaum eine Nacht ohne Blaulicht. Die Polizei verscheuchte lärmende Nachtschwärmer von der verschnörkelten, rund 130 Jahre alten Brücke. Meist dauerte es keine halbe Stunde, dann waren alle wieder da.

«Brunftschreie der Besoffenen»

Anwohnerin Stefanie kann die Bongotrommeln nicht mehr hören. «Seit drei Jahren haben wir jetzt da drüben den Ballermann.» Der Höhepunkt seien die E-Gitarren-Konzerte mit Verstärker um 2 Uhr nachts. Dazu kommen «Brunftschreie der Besoffenen», erzählt die 31-Jährige, die ihren Nachnamen aus Angst vor Anfeindungen nicht nennen will.

Lärm ist nicht das einzige Problem: Die Feiernden hinterlassen jede Menge Müll. «Sie pissen in die Hauseingänge, direkt an die Türen», schimpft Stefanie. Hunde tapsten auf der Brücke in Glasscherben.

Als Stefanie vor 13 Jahren herzog, war das Viertel eine ruhige Ecke. Jetzt sind viele Studenten hergezogen. Kleine Geschäfte weichen hippen Kneipen. Die Gründerzeithäuser sind renoviert, aus Mietwohnungen wird Eigentum, aus Leerstand werden Galerien. Langjährige Anwohner fühlen sich von steigenden Mieten bedroht. Stefanie gefällt sich nicht in der Spießerrolle. Sie sitzt selbst gerne auf der Brücke und trinkt ein Bier. «Es geht doch nur um gegenseitige Rücksicht.»

Der Kioskbesitzer direkt an der Ecke zur Admiralbrücke hat für Beschwerden kein Verständnis. Mit seinem Laden voll von Chips, Limo und Bier ist er Hauptversorger der Partygemeinde. Ist es warm, brummt sein Laden bis in die Morgenstunden. Die Anwohner, die ständig die Polizei rufen, nerven ihn gewaltig. «Wer im sitzt, schwitzt», sagt der Geschäftsmann. Wer das nicht abkönne, müsse halt wegziehen.

Stefanie denkt nicht daran. Sie schloss sich mit anderen Anwohnern zu einer Initiative zusammen, um nach einer Lösung zu suchen. Doch reden war erstmal zwecklos. Ein Schild mit freundlichem Hinweis auf die Nachruhe wurde herausgerissen. Eine wütende Anwohnerin warf dann sogar eine Stinkbombe. Selbst das – vergebens.

Alle Hoffnungen ruhen nun auf zwei Mediatorinnen. Eine der Streitschlichterinnen ist Sosan Azad. Die Sozialpädagogin will in den nächsten Wochen jeden Abend auf die Brücke gehen und die Stammgäste ansprechen. «Wir wollen Strukturen schaffen, in denen die, die häufig auf der Brücke sind, den Touristen vorleben, wie man sich dort verhält», sagt Azad. Sie glaubt, dass das Vermitteln so gut klappt wie in Köln: Dort konnten Mediatoren auf dem Platz in einem ähnlichen Konflikt den ersehnten Frieden schaffen.

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