Zeitreise zu den Walfängern

Im alten Strandkorbschuppen auf der Nordseeinsel geht es auf Zeitreise. Es ist das Jahr 1770, voller Begeisterung erzählen die jungen Männer Gerd (Nikolas Knauf) und Eim () ihren Bräuten von ihren Plänen, zum Walfang nach auszufahren.

«Man de Grönlandfohrten sünt doch so gefährlik!», ruft Antje (Vivi Sørensen) entsetzt. Sie wird Recht behalten. Es dauert Jahre, bis die Frauen ihre Liebsten wieder in die Arme schließen können.

Bei der Uraufführung von «Die verlorenen Söhne» hat die freie Schauspielgruppe «Das letzte Kleinod» am Samstagabend den alten Schuppen am Strand in eine Theaterbühne verwandelt. Das Publikum belohnte die große Intensität des Spiels mit viel Beifall und Fußtrampeln.

Das neue Werk des Autors und Regisseurs Jens- Siemssen folgt der Tradition des , besondere aus der Küstenregion an ungewöhnlichen Orten in Erinnerung zu rufen. Der alte Holzschuppen passt als Theater wunderbar zur Atmosphäre des Stücks. Die Tür am linken Bühnenrand ist weit geöffnet und gibt den Blick frei auf die Dünen. Langsam wird es draußen dunkel und immer kälter, während drinnen die im imaginären Packeis eingeschlossenen und vor Kälte mit den Zähnen klappernden Walfänger um ihr Leben bangen. Das Publikum selbst hat sich mit , Mützen und Decken gut gerüstet für den eineinhalbstündigen Ausflug in die Vergangenheit.

Das Ensemble bedient sich nur weniger Requisiten. Lediglich ein Whiskyfass und ein altes Segel brauchen die sechs Schauspieler für ihre unglaubliche Illusionskunst. So bewegen und knüpfen sie das große Segel derart geschickt, dass es einmal den Wellengang, dann wieder den heftigen Wind oder die Schwanzflosse eines Wals symbolisiert. Schließlich erreichen Gerd und Eim die rettende Küste und überwintern bei den grönländischen Ureinwohnern, den Inuit. Es kommt zu einer spannenden Begegnung der Kulturen. Im Hintergrund zeigen die langsamen Bewegungen einer der Bräute, Theda (Wiebke Acton), die wachsende Verzweiflung der .

Doch der Theaterabend hat auch viele komische Momente: Als die Schauspieler Knauf und Hellenbrand die Rollen der Schlittenhunde übernehmen und hechelnd auf allen Vieren auf dem Boden knien, ist das Gelächter groß und spontaner Applaus die Belohnung. Als die Männer endlich zurückkehren, ist die Freude ist riesig. In der letzten Szene sagen alle gemeinsam den traditionellen Spiekerooger Spruch auf: «Hier koamt de verloorne Söhns to Hus.»

Im Brauchtum der ostfriesischen Insel ist dieser Spruch bis heute verankert. Kinder sagen ihn auf, wenn sie jedes Jahr im Januar verkleidet von Haus zu Haus ziehen, um symbolisch Geld für die Heimkehrer zu sammeln. «Die verlorenen Söhne» basiert auf einer wahren Geschichte. Zahlreiche Berichte von Zeitzeugen hat Siemssen in die Inszenierung einfließen lassen.

Bis zum 23. Mai spielt «Das letzte Kleinod» das Stück auf Spiekeroog. Nach weiteren Aufführungen in und Cuxhaven soll es auch am auf Grönland gezeigt werden.

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