Drama «Villa Jasmin» bei Arte

Der 30-jährige Serge (Clément Sibony) und seine schwangere Verlobte Jeanne (Judith Davis) laufen mit einem Passagierschiff im Herbst 1976 in den Hafen von Tunis ein. Erwartungsvoll blickt der werdende Familienvater auf die Kulisse der Stadt, die er als Elfjähriger das letzte Mal sah.

spürt den Duft des frischen Jasmins und ist auch überwältigt von der Ankunft in der Heimat ihres Partners. Die zur «Villa Jasmin», an diesem Freitag (20.15 Uhr) auf Arte zu sehen, wird für Serge zu einer emotionalen Achterbahnfahrt, die auch den Zuschauer erfasst.

Die Grundlage für den französischen Fernsehfilm lieferte autobiografischer Jasmin», der 2003 veröffentlicht und 2007 verfilmt wurde. Die Reise ins Ich wird für Serge zu einer dauerhaften mit seinen Eltern, die früh starben. Ständig liefert sich Serge mit seinem Vater, Serge senior, fiktive Diskussionen, aus denen der erst das Verständnis für seine Herkunft zusammenbastelt, das ihm bislang gefehlt hat: Serge senior war Sozialist aus jüdischem , der mit der französischen Verwaltung in Tunesien auf Kriegsfuß stand und von den Nazis im Krieg nach ins KZ verschleppt wurde.

Plötzlich sitzt Serge seinem Vater () gegenüber, dessen Frau Odette (Elsa Mollien) mit seiner Schwester schwanger ist. «Papa, wann komme ich zur Welt?», will Serge von Serge wissen. «Später, ich spüre Dich», meint der Senior und greift nach dem Arm seines Sohnes. «Was siehst Du?» – «Einen Waisenjungen, der seine Geschichte zur Legende machen will», lautet die ironische Antwort des Vaters. «Ich habe keine Wahl, Du hast mir nie etwas erzählt!» – «Dazu hatte ich keine Zeit. Ich bin zu früh gegangen.» «Was machst Du hier?» – «Geld verdienen», erwidert der Vater, als Reporter bei einem Lokalblatt beschäftigt. «Ich tanze auf ein paar Hochzeiten und bin überall, wohin ein Hund pinkelt.»

Der Konflikt mit der französischen Kolonialmacht verschärft sich beim Vater. «Mein Vater verliebte sich in das Frankreich der Aufklärung», zischelt Serge senior dem französischen Gouverneur in einem heftigen Streit entgegen. «Nicht in das der Behörden und der Bürokratie.» Das bringt ihm wegen Beleidigung sechs Monate Gefängnis. Den Nazis wird Serge von den aalglatten Verwaltern gnadenlos ausgeliefert. Die Familie muss die geliebte «Villa Jasmin» verlassen. Auschwitz überlebt der Vater nur knapp. Seine Frau Odette erkennt ihn nach Kriegsende in einer Kino-Wochenschau wieder. Kaum ist das Paar wieder zusammen, wird Serge junior gezeugt.

Regisseur Férid Boughedirs Adaption des Romans von Serge Moati wird von Arte als «eine fesselnde und ergreifende Liebesgeschichte» angepriesen, weil sie von der Liebe eines Sohns für seinen Vater handelt, einer Frau für ihren Gatten, eines Mannes für sein Heimatland sowie für die Ideale der Freiheit und der Gerechtigkeit. Für die französischen Fernsehzuschauer wird die Reise in die Vergangenheit bekannte historische Größenordnungen bringen, für das deutsche sind die Begegnungen mit den französischen Verwaltern in Tunesien, ihren Umgang mit dem Sozialismus und den eingebürgerten Juden weitgehend unbekannte Kategorien.

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