Ausstellung zu «Ost-Umsiedlung»: Mit Zug DA 1405 in den Tod

Sie waren als «Sonderzüge» getarnt, die Transporte selbst als «Ost-Umsiedlung» verharmlost: Millionen von Juden hat die Reichsbahn während der Nazi- in überfüllten Güterzügen in die Vernichtungslager in Osteuropa gebracht.

Mit der «Logistik des Rassenwahns» setzt sich nun eine Sonderausstellung im Dokumentationszentrum auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände auseinander. Die bedrückende Schau schildert detailliert die Willfährigkeit, mit der die Reichsbahn und ihre Mitarbeiter der Hitler-Diktatur zu Diensten waren.

Mit neuen historischen Erkenntnissen über die Rolle der Bahn wartet die Ausstellung zwar nicht auf, wie Museumsleiter Christian Täubrich bei einer Vorbesichtigung zugab. Was die Ausstellung sehenswert macht, ist nach Einschätzung der ersten ihre Inszenierung im kruden Backsteinmauerwerk der früheren Nazi- .

In den fensterlosen, katakombengleichen Räumen erlebt der Besucher den Weg von den Anfängen der Judenverfolgung bis zu den Morden in den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau, Treblinka, Belzec, Chelmo, Majdanek und nach. Für die direkte Konfrontation mit den Orten der Vernichtung sorgen Bilder von Webcams, die das aktuelle Geschehen in den heutigen Gedenkstätten auf Monitore übertragen.

Die Brücke zwischen der Herkunft der Juden und den Todeslagern schlägt symbolisch ein 40 Meter langes Lichtgleis. Der Blick geht durch einen gläsernen Bahnnetzplan auf den am Gleisende projizierten Torbau des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Das mit Neonröhren bestückte Gleisbett ist statt mit Schotter mit 60 000 grauen Namenskarten von NS-Opfern gefüllt.

«Wir schlagen mit der Ausstellung eine Brücke zwischen dem Ort der Täter und den Orten der Opfer», betonte der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) bei einem Rundgang am Dienstag. Von diesem Mittwoch an ist die Ausstellung, die in enger Zusammenarbeit mit der entstand, für das Publikum geöffnet.

Zwischen den beiden der Ausstellung – der Verkündung der Rassengesetze in und den Gaskammern in den Vernichtungslagern – wird dem Besucher die unmenschliche und entwürdigende «Logistik des Rassenwahns» nahegebracht: Bilder, Dokumente, Pläne und Videosequenzen zeigen Schlangen ratloser Menschen, die sich vor Güterwagen sammeln; Verzweifelte, die nach tagelangen Fahrten quer durch um Wasser und Nahrung betteln und Bahn-Mitarbeiter, die so teilnahmslos wirken, als würden sie Vieh verladen. Dokumente beweisen, dass die Deportation für die Deutsche Reichsbahn ein lohnendes Geschäft war: Pro Deportiertem berechnete sie der SS die Hälfte des Dritte-Klasse-Tarifs.

Für Museumschef Täubrich offenbart die Ausstellung vor allem die scheinbare Unbekümmertheit und Gewissenlosigkeit, mit der die Tausenden an den Transporten beteiligten Reichsbahner ihren Dienst versahen. «Wie kleinteilig muss eine Arbeit sein, dass keiner mehr weiß, wohin die Reise ging? Mich wundert, warum manche nicht mehr wissen wollten», sagte der Ausstellungskurator.

Für den Reichsbahnrat , der während der Nazi-Zeit die Fahrpläne für die Todesfahrten erstellte und sich deshalb 1964 im Düsseldorfer Treblinka-Prozess verantworten musste, schien die Sache klar: «Ich dachte immer, die Juden sollen nach dem Vorbild des Westwalls im Osten einen Ostwall bauen», wird er in der Ausstellung «Das Gleis. Die Logistik des Rassenwahns» zitiert.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist bis 31. Oktober geöffnet – Montag bis Freitag 9.00-18.00 Uhr, Samstag und Sonntag 10.00-18.00 Uhr

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