Den Haag (ddp). Supermodel Naomi Campbell soll im Kriegsverbrecherprozess gegen den einstigen liberianischen Diktator Charles Taylor zur Aussage gezwungen werden. Die Anklage forderte am Donnerstag in Den Haag, die 39-Jährige vor den Sondergerichtshof für Sierra Leone zu laden. Dies geht aus einem offiziellen Dokument hervor, das die BBC veröffentlicht hat.
Campbell soll Auskunft geben, ob sie 1997 während eines Besuchs in Südafrika von Taylor tatsächlich einen sogenannten Blutdiamanten als Geschenk erhalten hat. Dass Taylor Waffenkäufe für die Junta in Sierra Leone mit diesen ungeschliffenen Diamanten finanziert hat, gilt der Anklage als ein zentraler Punkt des Verfahrens. Der Ex-Präsident hat diesen Vorwurf abgestritten.
Die Ankläger kritisierten, Campbell habe wiederholt eine Stellungnahme zu dem Thema verweigert und öffentlich erklärt, sie wolle mit dem Prozess nichts zu tun haben. In der Talkshow von Oprah Winfrey habe Campbell gesagt, sie fürchte um die Sicherheit ihrer Familie. Eine Vorladung sei daher notwendig.
In dem Antrag wurde auch auf eine Aussage der Schauspielerin Mia Farrow verwiesen. Ihr zufolge hatte ihr Campbell am Morgen nach dem Empfang, auf dem sie Taylor vorgestellt worden war, von dem wertvollen Geschenk berichtet.
Wie dünnhäutig das Model auf das Thema reagiert, hatte im April ein Team des US-Fernsehsenders ABC feststellen müssen. Auf Taylor und sein angebliches Geschenk angesprochen, hatte Campbell vor laufenden Kameras die Fassung verloren und das Interview abgebrochen.
Der Sondergerichtshof für Sierra Leone war 2002 durch einen bilateralen Vertrag zwischen Sierra Leone und den Vereinten Nationen geschaffen worden. Taylor war im März 2006 an das Sondertribunal überstellt worden.
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