Die Flick-Geschichte als Dokudrama

Es sollte ein großes Fest werden für die Berliner Museen, doch daraus wurde nichts. Als Friedrich-Christian Flick seine zeitgenössischer Kunst der Hauptstadt zur Verfügung stellte, brach ein Sturm des Protests los.

Hinter der großzügigen Geste verbarg sich ein vergiftetes Erbe. Die Bilder seien mit «Blutgeld» bezahlt worden, mit dem Gewinn aus der Ausbeutung Zehntausender , der Sammler wolle das Geld seines Großvaters nur reinwaschen, meinten die Kritiker. Der lange Schatten des einstigen Stahlkönigs Friedrich Flick hatte nun auch den Enkel erreicht.

Der um die Sammlung Flick ist das letzte Kapitel in der fast 100 Jahre dokumentierenden Geschichte über «Macht und Untergang des Hauses Flick», wie das zweiteilige Dokudrama heißt. Arte zeigt es an diesem Mittwoch (26. Mai, 20.15 Uhr) in einem Stück, die ARD ist am 31. Mai und am 7. Juni jeweils um 21.00 Uhr dran. Wie in einem Wirtschaftskrimi mischen sich hier Ehrgeiz, Skrupellosigkeit, Familienkonflikte und Schweigen zu einem deutschen Sittengemälde – vom Beginn des 20. Jahrhunderts über die NS- und die Nachkriegszeit bis weit hinein in die Kohl-Ära.

Ob als Spender für die Erzkonservativen Brüning und Hindenburg in der , als Freund Heinrich Himmlers oder Jagdkumpan von Hermann Göring – Friedrich Flick verstand früh, dass «politische Landschaftspflege» für den Erfolg als Unternehmer entscheidend sein kann.

Von den Historikern ist die Flick-Geschichte weitgehend erschlossen. Als Konsequenz aus dem Berliner Skandal beauftragte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mehrere Wissenschaftler mit der Untersuchung der Rolle Flicks im Dritten Reich, die auch Grundlage der Dokumentation von Thomas Fischer ist.

Klammheimlich und über dunkle Nebengeschäfte baute der 1883 in Kreuztal bei Siegen geborene - zunächst als Geschäftsführer und dann als Aktionär ein Imperium aus Stahlwerken und Erzgruben auf. Mit großer Leidenschaft trickste er seine aus. Sein Wunsch, von den Stahlbaronen des Ruhrgebiets als ebenbürtig behandelt werden, erfüllte sich allerdings nicht. Selbst mit einem Schlossbau konnte er Krupp und Thyssen nicht imponieren, die mit Arroganz auf den «Schrotthändler» blickten. Nicht lange.

Flick erweiterte zielstrebig sein Firmennetz, übernahm Unternehmen und schlachtete sie für den lukrativen Weiterverkauf aus. Mit Unnachgiebigkeit und Strenge erzog er auch seine drei Söhne Otto-Ernst, Rudolf und Friedrich Karl. Sie sollten eines Tages seine Nachfolger werden.

Mit der großen Depression kommt 1932 die erste Bewährungsprobe. Flick steht am Rande des Bankrotts, die Regierung Brüning rettet ihn mit einem überteuerten Aktienkauf vor der Pleite – die Spenden hatten sich gelohnt. Mit Hitlers Machtübernahme kommt Flicks große Stunde. Durch geschickte Auf- und Verkäufe wird er zu einem der mächtigsten Unternehmer im Nationalsozialismus. Die Nähe zu den Machthabern nutzt er für seine Interessen und wird zu einem der wichtigsten Beteiligten in der Rüstungsproduktion. Als Sohn Rudolf sechs Tage nach Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion fällt, stellt ihm Göring ein Flugzeug zum Grabbesuch in der Ukraine zur Verfügung.

Im Mittelpunkt des Zweiteilers stehen die Verhöre des deutschen Emigranten Eric Kaufmann als amerikanischer Ermittler beim Kriegsverbrechertribunal 1947. Flick stellt sich als Opfer dar, als Unwissender. Die «Arisierung» der Petschek-Stahlwerke zu seinen Gunsten oder die Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiter – Flick leugnet immer wieder. «Nichts wird uns davon überzeugen, dass wir Kriegsverbrecher gewesen sind», gibt er zu Protokoll.

«Er fühlt sich unschuldig, der Prozess hat keinen Lernprozess bei ihm angestoßen», sagt der Historiker Tim Schanetzky. Flick wird zu sieben Jahren Haft verurteilt. Seine Landsberger Zelle baut er unter den Augen der US-Bewacher zum Büro aus, empfängt dort seinen langjährigen Getreuen .

Nach drei Jahren kommt er frei. Er ist 67 und baut nun aus den Trümmern seines Imperiums einen neuen auf. Stahl und Kohle werden abgestoßen, Flick kauft sich bei Daimler ein, in Chemiefirmen und Papierwerke. Weniger glatt verläuft die Regelung der Nachfolge. Dem impulsiven Otto-Ernst will Flick den nicht überlassen. Der Sohn rebelliert – und verliert. Flick überträgt dessen Anteil an die Enkel. Nach dem Tod des Patriarchen 1972 wird Friedrich Karl neuer Statthalter. Doch er ist überfordert.

Statt in der Firmenzentrale zu arbeiten, feiert er lieber mit der Münchner Schickeria. Und nochmal macht Flick Schlagzeilen. Mit Parteispenden hatten Flick und sein Freund und Manager Eberhard von Brauchitsch versucht, Einfluss zu nehmen auf die sozial-liberale Koalition, damit diese einen Milliardendeal steuerfrei lässt. Der Skandal erschüttert die Republik. 15 Jahre nach dem Tod des Vaters verkauft Friedrich Flick den Konzern an die Deutsche Bank. Als er 2006 stirbt, hinterlässt er seiner Familie ein Milliardenvermögen.

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