Der Verkaufsstart des neuen Tablet-Computers iPad hat am Freitag (28. Mai) für Andrang vor Apple-Geschäften in Deutschland gesorgt. Jeweils einige Hundert Apple-Fans versammelten sich bereits in den frühen Morgenstunden.
Auch aus den acht weiteren Ländern, in denen die iPads an den Start gingen, wurden Schlagen vor den Geschäften gemeldet. Vor allem die Medienbranche erhofft sich von dem kompakten Gerät mit seinem berührungsempfindlichen Bildschirm einen Durchbruch für ihr digitales Geschäft. In Deutschland starteten mehrere Verlage – darunter die «Welt» und der «Spiegel» zur Markteinführung speziell angepasste Versionen ihrer Inhalte.
Neben den Apple-Stores konnte man das iPad in Deutschland auch in Elektronik-Märkten und beim Apple-Partner Gravis kaufen. «So wie das iPhone den Markt der Mobiltelefone umgekrempelt hat, wird das iPad den Markt tragbarer Computersysteme revolutionieren», zeigte sich Gravis-Gründer Archibald Horlitz überzeugt.
Die iPads haben keine Tastatur, sondern werden über den berührungsempfindlichen Bildschirm bedient. Der Preis in Europa liegt zwischen 499 und 799 Euro. Das ist deutlich mehr als zum Beispiel für ein Mini-Notebook bezahlt werden muss.
Apple hatte die internationale Markteinführung des iPad um rund einen Monat verschoben – weil die Nachfrage in den USA so hoch gewesen sei. In den ersten vier Wochen seit dem Start Anfang April wurden in den USA mehr als eine Million der neuen Computer verkauft. Für das gesamte Jahr rechnen Analysten mit einem Absatz von etwa fünf Millionen iPads.
In Hamburg stellte sich der erste Käufer schon um 01.00 Uhr vor dem Eingang des Einkaufszentrums mit dem Apple-Store auf. Die ersten sechs Stunden musste er auf der Straße warten – dabei wären solche Strapazen gar nicht nötig gewesen: Auch diejenigen, die gut eine Stunde vor der Ladenöffnung um 08.00 Uhr kamen, standen noch vorne. Erst danach wurde es voll.
Vor dem japanischen Apple-Shop auf Tokios Glamour-Meile Ginza versammelten sich laut Medienberichten rund 1200 Menschen. Die allerersten sollen 48 Stunden vor dem Laden ausgeharrt haben. Am Londoner Oxford Circus standen hunderte Verbraucher vor Apples europäischem Flagship-Store. Polizisten halfen dabei, den Ansturm zu bewältigen. Auch in Rom, Paris und Madrid gab es Schlangen – wenngleich auch keinen so großen Andrang.
Unterdessen scheint das iPad auch bei deutschen Unternehmen zu punkten, die sich beim Apple-Handy iPhone bislang eher zurückhielten. So erwägt der Versicherungskonzern Allianz, Außendienstler mit dem Tablet-Computer auszustatten, wie ein Sprecher der «Wirtschaftswoche» sagte. Der Autohersteller Daimler rüstet im Rahmen eines Versuchs 40 US-Autohäuser mit iPads aus. BMW prüfe den iPhone-Einsatz als Ersatz für Blackberry-Handys.
Apple zum iPad: www.apple.com/de/ipad/
Der Tablet-Computer iPad sieht wie eine übergroße Version des Apple-Handys iPhone aus. Wie das iPhone wird das Gerät in der Größe einer DIN-A4-Seite über einen berührungsempfindlichen Bildschirm bedient. Apple liefert den rund 700 Gramm schweren Tafel-Computer mit einer Reihe von Programmen aus. Dazu gehören ein Webbrowser zum Surfen im Web, ein E-Mail-Programm sowie eine iPod- Anwendung, mit der man Musik und Videos abspielen kann. Insgesamt gibt es sechs Versionen, die man in zwei Gruppen aufteilen kann: Die einen können nur über WLAN mit dem Internet verbunden werden, die anderen auch über 3G-Mobilfunk (UMTS). Die Geräte unterscheiden sich dann noch nach der Speicherkapazität. Die Preise gehen von 499 bis 799 Euro. Mit dem iPad können von Beginn die meisten der rund 150 000 Anwendungen aus dem iTunes App Store genutzt werden. Es kommen aber immer mehr speziell für das größere Gerät angepasste Programme dazu. Kritiker des iPad bemängeln, dass die Batterielaufzeit nur maximal zehn Stunden beträgt, während spezielle E-Book-Lesegeräte wie der Kindle von Amazon tagelang ohne Steckdose auskommen. Wie beim iPhone und iPod kann beim iPad die Batterie nur von einem Servicetechniker ausgetauscht werden. Weiterhin wird kritisiert, dass das iPad nicht beliebig viele Programme parallel laufen lassen kann (Multitasking) und die Flash-Technologie von Adobe nicht unterstützt, die beispielsweise für viele Online-Spiele notwendig ist.






