Fotos von küssenden Großeltern oder von den Eltern am Esstisch werden eigentlich eher im Familien-Album vermutet. Das Jüdische Museum in München stellt sie aber in den Mittelpunkt seiner neuen Ausstellung «Family Files – Zeitgenössische Fotografie und Videokunst aus Israel».
Gezeigt werden Fotografien und Videos von 16 israelischen Künstlern – darunter auch das beeindruckende Porträt dreier Schwestern, die ihre Unterarme in die Kamera halten. Darauf sind Nummern aus dem Konzentrationslager Auschwitz zu sehen, die die Reihenfolge zeigen, in der sie dort eingesperrt wurden. Die Künstlerin Vardi Kahana fotografierte dafür ihre Mutter und ihre beiden Tanten.
«Die eigene Familie ist bei vielen Künstlern in den Mittelpunkt ihrer Bildbetrachtung gerückt», sagte Museumsdirektor Bernhard Purin. Dabei sind zum Teil sehr private oder sogar intime Bilder entstanden. Die Künstlerin Elinor Carucci zum Beispiel zeigt sich auf einem Selbstporträt halb nackt mit ihrem Partner. Noa Sadka hat ihren Lebensgefährten mit ihrer zwei Wochen alten Tochter auf dem Arm fotografiert.
Um die Privatheit zu unterstreichen, haben die beiden Kuratorinnen Wohnzimmermöbel zwischen die Bilder gestellt. «Alle Menschen – egal, welcher Rasse oder Religion sie angehören, sind mehr oder weniger gleich, wenn es um ihre Gefühle zu ihrer Familie geht», sagte Kuratorin Galia Gur Zeev. Die Ausstellung läuft vom 9. Juni bis 12. September.
Blogtainment/ari/dpa / Foto dpa






