Berlin (dpa) – Klar, man kann das neue Album von Blitzen Trapper schlicht und einfach als melodieselige, wunderbar warm produzierte Rockpop-Scheibe mit ausreichend Abstand zum US-Mainstream hören. Oder sich damit die Wartezeit bis zur neuen Wilco-Platte aufs Angenehmste verkürzen.
Am meisten Spaß macht «Destroyer Of The Void» jedoch, wenn man sich Song für Song auf die Suche nach den Einflüssen von Eric Earley begibt. Der kreative Kopf, Sänger, Gitarrist und Pianist von Blitzen Trapper hat das fünfte Album seiner Band bewusst als Jukebox mit zwölf Liedern voller liebevoller Referenzen an die Pop-Geschichte angelegt. «Für mich hat die ganze moderne Musik ihren Ursprung im Blues und bei den Beatles», sagt Earley im Interview der britischen Musikzeitschrift «Uncut» offenherzig. «Bei jedem Song kannst Du Dir dann aussuchen, wie nah Du diesem Ursprung kommen willst.»
Also fließen auf «Destroyer» 70er-Jahre-Radiopop, leicht experimentelle Americana und aktuelle Indierock-Bezüge mühelos und lässig ineinander. Die Ideenvielfalt der sechsköpfigen Band aus Portland/Oregon ist dabei ebenso grenzen- wie schamlos. Der Vorwurf, Blitzen Trapper habe lediglich bei den Großen abgekupfert, verfängt aber letztlich nicht – dafür klingen die jeweiligen Zitate zu dezent und lässig-charmant an.
Im grandiosen Titelsong zum Auftakt des Albums feiern Queen und das Electric Light Orchestra fröhliche Wiederauferstehung – und doch fällt Earley etwas Neues dazu ein. Raffiniert schichtet er Cembalo- und Orgel-Bombast, «Bohemian Rhapsody»-Chöre und psychedelische Gitarrenspuren aufeinander, ohne dass der sechsminütige Song unter dem Gewicht seiner mindestens drei tollen Melodie-Einfälle zusammenbricht.
«Laughing Lover» und «The Tailor» bedienen sich bei den Wilco der «Summer Teeth»-Phase – völlig unpeinliche Anklänge auch hier. «Below The Hurricane» erinnert mit seinem prächtigen Folkrock-Arrangement aus Akustikgitarren, Klavier und Mundharmonika sowohl an die frühen Genesis als auch an Neil Young. Mit «The Man Who Would Speak True» und «The Tree» (an der Seite der US-Sängerin Alela Diane) huldigt Earley seinem großen Vorbild Bob Dylan. Und bei der herrlichen Piano/Streicher-Ballade «Heaven And Earth» oder dem Rausschmeißer «Sadie» sieht man förmlich den jungen Elton John vor sich.
Dass Blitzen Trapper knietief in der Rock-Historie wurzeln, ist freilich nichts Neues. Schon auf ihrem noch etwas chaotischen Durchbruch-Album «Wild Mountain Nation» (2007) konnte man die Vorbilder gut heraushören – erst recht dann beim Nachfolger «Furr», der nicht nur vom «Rolling Stone» zu den besten Platten 2008 gezählt wurde. Mit «Destroyer» ist Blitzen Trapper nun ein Retrorock- Referenzwerk geglückt. Den Einwand, dass einem manche Melodie bekannt vorkommt, wird die Band angesichts dieses auch handwerklich erstklassigen Albums verschmerzen können.
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