[Feature] Fussball-WM: Berlin eröffnet die Public-Viewing-Saison eröffnet – WM-Fernsehen im Freien wird zum Trend

Fussball WM Deutschland DFB  Das wespenschwarmartige Dröhnen der Vuvuzelas hallt durch menschenleere Straßen. Aus Barfenstern und Imbissbuden dringt nur eine Stimme, es fallen immer wieder dieselben Namen. Das wird das Hintergrundgeräusch der kommenden vier Wochen sein. Denn als die Fußball-Weltmeisterschaft am Sonntagabend auch für Deutschland beginnt, gibt es kaum einen Asia-Schnellimbiss, der nicht wenigstens einen ordentlichen Flachbildfernseher organisiert hat. Fußballabstinenz schadet dem Geschäft.

Wer die großen Menschenmengen schätzt, sieht das Spiel gegen Australien in den am Hauptbahnhof oder im , im Hof der oder gleich im Olympiastadion. Wer aber dem bedeckten Himmel nicht ganz traut, geht einfach um die Ecke in die nächste , wie .

«Ein bisschen unheimlich, wie man fast schon gezwungen ist, auf die Public Viewings zu gehen&;, sagt sie. «Niemand, den ich kenne, macht was anderes.&; Sie sitzt im «Schmittz&; an der Torstraße, einer Bar, in der es das ganze Jahr über um Fußball geht. Wenn die Berufssportler gerade Pause haben, finden hier Kickerturniere statt, die immer so gut besetzt sind, als bestünde Anwesenheitspflicht. Frauen sind hier «die Freundin von&; oder stehen hinter der Bar.

Naomi interessiert sich überhaupt nicht für Fußball. Aber beim Online-WM-Tippspiel in ihrer Firma hat sie 1:0 für Deutschland angeklickt. «Die Australier haben einen schöneren Teint», bemerkt die 30-Jährige, als der vielkehlige Aufschrei nach Podolskis 1:0 Treffer verklungen ist. Als Miroslav Klose später auf vier Leinwänden und Fernsehern synchron torjubelt, ärgert sie sich. Zehn Euro hat sie gesetzt, und bisher lag sie immer daneben.

Über die Torstraße gleitet eine von der Polizei eskortierte Reihe Rollerblader. Ein kluger Zeitpunkt für einen solchen Ausflug, schließlich sind gerade ohnehin fast keine Autos unterwegs. Der Arkonaplatz ist sogar offiziell gesperrt. Das wäre nicht nötig gewesen, denn am «Weltempfänger» gibt es sowieso kein Vorbeikommen. Die Bar hat so viele Bierbänke bestellt, dass die letzte erst auf der gegenüberliegenden Straßenseite Platz findet.

Dort hält Rudolf seine Videokamera in die Luft und peilt mit dem Zoom die grüne Fläche an. Er wohnt direkt über dem «Weltempfänger». «Der Film ist für später, für meine Enkelkinder. Denen will ich mal zeigen, wie viele Menschen vor meinem Fenster sitzen und sich feiern.» Treffer zum 3:0 bekommt er leider nicht ins Bild, nur einen Block freudig hochfahrender Händepaare. Und als zwei Minuten später Cacau zum 4:0 trifft, schwenkt Rudolf rüber zu den Silvesterraketen, die aus einem Hinterhof aufsteigen.

Noch ein wenig weiter nördlich führt die Rudi-Völler- im Mauerpark direkt zur «Tante Käthe», die sich alle zwei Jahre entweder WM- oder EM-Club nennt. In der «», in der man dem Spielverlauf hochkonzentiert folgt, sitzen auch Karen und Pete aus Sydney. Karen studiert Germanistik an der FU, ihr Freund kam erst gestern zu Besuch. «Bisher gefällt es mir in Berlin noch nicht so gut», sagt er etwas wehleidig. Die beiden verlassen die Halle noch in der Nachspielzeit, um draußen ein Eis zu essen.

Am Ende sagen die Experten, es hätte auch gut ein 6:0 sein können, bei so vielen verschenkten Chancen. Von den Public Viewern stört das keinen. Der Sommer ist da, die nächsten vier Wochen verbringen sie vor einem der unzähligen Fernseher im Freien. Nach dem Spiel füllen sich unmerklich die Straßen. Jemand schießt noch ein paar Raketen in den Sternenhimmel, an dem inzwischen keine einzige Wolke mehr hängt.

blogtainment/wes/dts

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