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Science-Fiction-Pop von Janelle Monáe

Science-Fiction-Pop von Janelle Monáe

Ein fast 70-minütiges Science-Fiction-Märchen um eine Kunstmensch-Heldin namens Cindi Mayweather im Jahr 2719, dazu eine abgedrehte Musikmixtur aus Orchester-Ouvertüren, Funk, Soul und Latin, Indie-Rock und Jazz – kann das gutgehen?

Es kann, und wie: Mit «The ArchAndroid» legt Janelle Monáe aus dem Nichts ein Großwerk der schwarzen vor, wie es seit «Sign ‘O’ The Times» von Prince (1987) vielleicht keines mehr gegeben hat.

Wer ist diese junge Frau, deren Stern USA-weit vor einigen Wochen mit einem selbstbewussten Auftritt in der Show von Letterman aufging? Allzuviel ist nicht bekannt über Janelle Monáe Robinson (24) aus . Sie ist gerade mal 1,52 Meter groß, hat eine Musical- Ausbildung hinter sich und tanzt ähnlich schwerelos wie Michael Jackson. Sie trägt schwarze Hosenanzüge, weiße Hemden und Fliege, auf dem Kopf eine dramatisch gewölbte Haartolle. Sie hat ein eigenes Label gegründet und wird von Hip-Hop-Helden wie Sean «Diddy» Combs oder Big Boi gefördert.

Und sie hat eine Menge Vorbilder, aus allen Genres der populären und sogenannten ernsten : «Meine musikalische Palette ist riesig», sagt Janelle Monáe in Interviews zum neuen . «Ich bin halt in der iPod-Generation aufgewachsen.» über bis Bowie, von Pink Floyd bis zu den ist alles drauf auf dem iPod.

Vor allem: Diese Frau will sicht- und hörbar ein Star mit Langzeitwirkung sein. In den 18 Songs des Albums lässt sich Janelle Monáe denn auch auf keinerlei Grenzen ein. Da wird hochmelodisch gerappt («Dance Or Die») oder Funk-Legende James Brown zitiert («Tightrope»). Epische Gitarrensoli erinnern an die große Zeit des kleinen Prinzen zu «Purple Rain»-Zeiten («Mushrooms & Roses»). «Come Alive» ist fast schon Punkrock, mit einer völlig entfesselten Sängerin. Den Gegensatz bilden «Oh, Maker» oder «57821» – traumhaft schöne Folk-Soul-Balladen, die Janelle Monáes große, flexible Stimme in den Mittelpunkt stellen.

Als wäre diese Mischung nicht schon abenteuerlich genug, reißt die ehrgeizige Künstlerin am Ende auch noch die Mauern zum klassischen Konzertsaal und zum ein. In «Say You’ll Go» verbeugt sie sich vor Stevie Wonders Meisterwerk «Songs In The Key Of Life» (1976) ­ und lässt das Lied mit Claude Debussys Klavierstück «Clair De Lune» ausklingen. Im sinfonischen «BabopbyeYa» schließlich fügt Janelle Monáe neun Minuten lang Piano-Jazz, Streicher und Bläser sowie die ihr eigene Stimmgewalt einer Shirley Bassey kongenial zusammen.

Eigentlich kann so viel Maßlosigkeit nur in einem heillosen Durcheinander enden ­ hier funktioniert es wundersamerweise. Mit ihrem Stilmix verfolgt Janelle Monáe nach eigenen Worten auch nicht nur rein künstlerische Ziele. «Als Afroamerikanerin will ich zeigen, dass wir nicht einheitlich auf schwarze festgelegt sind, dass wir viele unterschiedliche Richtungen haben.»

Diesen gesellschaftspolitischen Ansatz verfolgt die Hochtalentierte auch mit der Geschichte hinter «The ArchAndroid». Angelehnt an Fritz Langs berühmten Stummfilm «Metropolis» geht es um eine Androidin des 28. Jahrhunderts, die sich verbotenerweise in einen echten Menschen verliebt und deswegen geächtet und verfolgt wird. Die messianische Kunstfigur Cindi Mayweather als Opfer der Mehrheitsgesellschaft – reichlich verschwurbelt das Ganze, aber zum Glück auch nicht so anstrengend, dass es Janelle Monáes mitreißender im Weg stünde.

Einziges Deutschland-Konzert von Janelle Monáe: 9. Juli, Berlin

Blogtainment/ari/dpa / Foto dpa

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