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«Heiße Zeiten» im St. Pauli-Theater

Hamburg (dpa) ­ Wer «Sex and the City» mag, dürfte sich von diesen etwas reiferen Girls in Hamburg bestens unterhalten fühlen: Die zündende -Revue «Heiße Zeiten» hat am Sonntagabend am St. Pauli-Theater Premiere gefeiert.

Im einer Airport-Abflughalle verkörperten die hinreißenden Darstellerinnen Marion Martienzen, Sabine Urig, April Hailer und Anna Bolk das Stück der Autoren von Blomberg und Bärbel Arenz. Mit ganzem Einsatz sangen und tanzten die vier Frauen dabei Cover-Versionen berühmter Pop-Songs. In Flugbegleiterinnen-Kostümen spielte eine Herrenband. Gerburg Jahnke inszenierte die über Hitzewallungen, Sexfrust und Aufbruchlust im Klimakterium.

Auf den ersten Blick wirken sie, als könnten sie unterschiedlicher nicht sein: die männermordende Karrierefrau (Hailer), das rustikale Muttertier (Urig, -bekannt aus «Familie Heinz Becker»), die einsame «Vornehme« (Martienzen) und das «Küken» mit Kinderwunsch (Bolk). Doch nach spitzzüngigen Profilierungen auf Kosten der anderen, frivolen Giftereien gegen die Männerwelt und inbrünstig gestalteten Musiknummern wie «Viagra » und «Zombie Ball» stellt sich heraus, dass das Gemeinsame überwiegt: All die Damen zwischen dreißig und Anfang fünfzig haben im Leben zwar einiges erreicht, vermissen aber anderes schmerzlich. Da helfen auch keine Lautsprecher-Reklamesprüche wie «Setzen Sie jetzt auf die bewährte Pflanzenkraft des Gingko-Baums» (angesagt von Ex-Nachrichtensprecher Wilhelm Wieben).

Weibliche Solidarität, Humor und einige pragmatische Entscheidungen stellen jedoch die Weichen für «ein schönes Restleben», wie es im Stück heißt. Autoren- und Regisseurin vermeiden in ihrer gut zweistündigen, zügig getimten, dann und wann nachdenklichen Show nicht etwa die Klischees. Vielmehr stürzen sie sich leidenschaftlich hinein und spielen sie augenzwinkernd aus. Zur Freude des durchaus nicht nur weiblichen Premierenpublikums: Immer wieder brandeten Gelächter und Applaus auf, am Ende gab es langen Beifall im Stehen.

Die Sommerproduktion beweist einmal mehr, dass es das oft verschämt behandelte Thema «Menopause» in den Kulturbetrieb geschafft hat: Die 55-jährige Jahnke (1985-2005 Teil des Frauenkabarett-Duos «Missfits») schuf dazu bereits 2007 das Kabarettprogramm «Lappen weg». Und das ZDF sendete vor wenigen Monaten Doris Dörries Miniserie «Klimawechsel».

Blogtainment/ari/dpa / Foto dpa

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