Finks Vierte: Perfekter Pop für dunkle Stunden

«Perfect Darkness» – ein Albumtitel, wie er passender nicht sein könnte. Das vierte Werk des Briten Fin Greenall alias Fink innerhalb von nur fünf Jahren ist die perfekte Untermalung der dunklen Stunden des Tages.

Ein subtiles Mitternachtsalbum mit wunderbaren Folk/Soul-Melodien und überwiegend träge pulsierenden Grooves, die sich nach einem hektischen Tag wohltuend in Herz und Hirn bohren.

«Perfect Darkness» ist ein suchterzeugender Trip, der von Greenalls hypnotischer Stimme und seiner virtuos gezupften und geschlagenen Nylonstring-Gitarre getragen wird. Zum Trio Fink – nicht zu verwechseln mit den Hamburger Countryrockern um Nils Koppruch – gehören noch Guy Whittaker (Bass) und Tim Thornton (Schlagzeug, E-Gitarre), die den Sound unauffällig, aber sehr effektvoll erweitern und verdichten. Ein paar elektronische Klangeffekte, hier und da Streicher, das war’s.

«Perfect Darkness» ist ein Album aus einem Guss, und es fällt schwer, einzelne Lieder hervorzuheben. Aber neben dem Opener und Titelsong beeindruckt doch «Warm Shadow» besonders nachdrücklich: Eine dunkel getönte, sehr rhythmische Akustikgitarre treibt den Track voran, Greenalls warmer, leidenschaftlicher Gesang steuert Soul-Feeling bei, ehe Bass und Schlagzeug sanft Richtung Tanzfläche steuern.

«Perfect Darkness» ist ganz nebenbei auch ein Referenzwerk für HiFi-Fetischisten. Die Ballade «Save It For Somebody Else» oder das anschließende «Who Says» beispielsweise hat Produzent Billy Bush in den Steakhouse Studios von North Hollywood/Kalifornien auf dem höchsten audiophilen Niveau aufgenommen und abgemischt. Es klingt einfach fantastisch, wenn diese reduzierten Trio-Arrangements in selten gehörter Klarheit und Brillanz aus den Boxen perlen. Definitiv eine Platte für gute Stereo-Anlagen oder Kopfhörer.

«Perfect Darkness» sollte Fink eigentlich den Durchbruch bringen, den die Band spätestens mit dem tollen Vorgänger «Sort Of Revolution» verdient gehabt hätte. Der begehrte Produzent und DJ Greenall ist längst in die erste Garde der britischen Singer/Songwriter aufgerückt und hat sich mit seinem neuen Album nochmals selbst übertroffen. Aber vermutlich fehlt dieser herausragenden Platte wieder mal ein Hit, der ihr zum notwendigen Schub für die Charts verhilft.

«Perfect Darkness» spiegelt also auch das Elend heutiger Qualitäts-Popmusik, die sich nicht aufdrängt und daher ein Nischendasein fristet. Insofern steht Fin Greenall nicht nur musikalisch in der Tradition eines Nick Drake oder Tim Hardin, deren Genie von einem breiten Publikum erst viel zu spät entdeckt wurde. Fans von Songwriter-Musik jenseits aller Rock-, Blues- oder Country-Klischees dürften in diesem Jahr kaum ein besseres Album finden.

Konzerttermine im Juni: 22.6. Hamburg; 23.6. Berlin

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