Kölner "Tatort"-Kommissare müssen Entführungsfall aufklären

Köln (dapd). Wenn Reemtsma-Entführer Thomas Drach im Gefängnis einen Fernseher hat, dann sollte er am Sonntag (8. Januar, 20.15 Uhr) "Tatort" schauen. Die Kölner Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk haben einen Fall zu lösen, der stark an die Entführung des Millionärs Jan Philipp Reemtsma durch die Gebrüder Drach erinnert. In der Folge "Keine Polizei" verschwindet ein vermeintlich reicher Unternehmersohn. Gegen ein hohes Lösegeld soll er frei kommen. Für die gealterten Kommissare beginnt ein Spiel auf Zeit.

Den Anfang macht wie so häufig ein Leichenfund: Parkour-Artisten hopsen durch einen Park und legen per Zufall unter einem Laubhaufen einen toten Mann frei. Eine Anwohnerin hat gesehen, wie eine weitere Person verschleppt wurde. Doch es gibt bis dato weder eine Vermisstenanzeige noch eine Lösegeldforderung.

Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) vermuten, dass die eingeschüchterten Eltern allein mit den Erpressern verhandeln wollen. Nur per Zufall stoßen die beiden auf den Familiennamen. In Verdacht geraten zwei Brüder, die schon in einen früheren Entführungsfall verwickelt gewesen sein sollen. Die Forderung: "Keine Polizei". Doch Ballauf und Schenk wären nicht Ballauf und Schenk, wenn sie nicht eingreifen würden. Da sich das Duo so einfühlsam gibt wie ein Elefantenpaar im Porzellanladen, sitzt Polizeipsychologin Lydia Rosenberg mit auf der Couch im Elternhaus.

So wirft Ballauf dem Vater gleich an den Kopf, selbst hinter dem Verbrechen zu stecken, bis der Vater schließlich in Tränen ausbricht. Der korpulente Schenk macht einen putzigen Eindruck, wenn er der zierlichen Mutter zögerlich den Arm um die Schulter legt.

Doch bleibt der Kölner "Tatort" weit hinter seinen früheren Stärken zurück. Wie bereits in den vergangenen Folgen sind die Charaktere von Ballauf und Schenk viel zu einfach gestrickt. Sie sind einfach mürrisch, nicht mehr und nicht weniger. Damit Freddy wenigstens einmal "Scheiße" sagen darf, muss ihm schon eine Milchflasche herunterfallen.

An vielen Ecken scheint die Handlung plump. Die Zeugin der Entführung muss – wie scheinbar oft beim "Tatort" – arbeitslos sein, an der Flasche hängen und in einem hässlichen Hochhaus wohnen.

Dabei könnte der Stoff aktueller kaum sein. Erst im November wurde der bereits verurteilte Drahtzieher der Reemtsma-Entführung, Thomas Drach, vom Landgericht Hamburg erneut zur Rechenschaft gezogen. Er hatte aus dem Gefängnis heraus einen Freund dazu angestiftet, von seinem Bruder und Komplizen Lutz Drach Geld zu erpressen. Das Lösegeld der Reemtsma-Entführung von 1996 ist bis heute verschwunden.

Das Prickelnde an diesem "Tatort" ist das Abweichen vom vorgefertigten Schema "Leiche, Ermittlung, Verhaftung". Stattdessen spitzt sich die Entführung zu und sorgt so für Spannung. Zugleich hat sich bestimmt jeder Zuschauer schon einmal gefragt, wie er bei einer Entführung reagieren würde. Polizei rufen oder nicht? "Polizei rufen" lautet die Antwort.

dapd

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