
Der WDR produziert den Silvester-Kult-Sketch «Dinner for one» in einer kölschen Variante. Miss Sophie und Butler James werden von den Comedians Annette Frier und Ralf Schmitz ersetzt, teilte der WDR mit.
Die Handlung spielt in Köln im Jahr 2050, der 1. FC Köln ist gerade Deutscher Meister geworden und die Kölner U-Bahn immer noch im Bau. Die Posse werde Ende Mai im Kölner Gloria-Theater aufgezeichnet.
Das 50 Jahre alte Original des NDR von Komiker Freddie Frinton gilt als weltweit am häufigsten wiederholte Fernsehproduktion. Der «Express» hatte zuerst über den Plan der kölschen Neuauflage berichtet.

Eis am Stiel hat in diesen Tagen Geburtstag. Es wird 90 Jahre alt. Zumindest ließ sich der Amerikaner Harry B. Burt im Mai 1923 ein an einem Stöckchen gefrorenes Vanilleeis samt Schokoladenüberzug patentieren.
Damit begann der internationale Siegeszug. Im vergangenen Jahr wurden allein in Deutschland rund eine Milliarde Eis am Stiel verkauft, berichteten die deutschen Markeneishersteller in Bonn.
Der Speiseeismarkt in Deutschland gliedert sich in drei Bereiche. Den größten Marktanteil hält das industriell hergestellte Eis, zu dem auch das Stieleis gehört. Es hat mit 506 Millionen Litern einen Marktanteil von rund 80 Prozent. Mit 17 Prozent Marktanteil (107 Millionen Liter) folgt das in Eisdielen und Gastronomiebetrieben selbst hergestellte Eis. Das hauptsächlich über Fast Food-Ketten und Automaten vertriebene Softeis kam im vergangenen Jahr auf einen Marktanteil von 3 Prozent (20 Millionen Liter).

New York hat nach vier Jahrzehnten wieder das höchste Gebäude Amerikas. Beim neuen World Trade Center wurden am Freitag (Ortszeit) die letzten Teile der gewaltigen Spitze montiert und dem Nachfolger der bei den Anschlägen vom 11. September 2001 zerstörten Zwillingstürmen seine endgültige Höhe gegeben.
Dabei gibt es auch einen deutschen Anteil: Viele der Elemente bestehen aus in Deutschland gefertigten Bauteilen.
541 Meter, das sind 1776 Fuß und so eine Anspielung auf das Gründungsjahr der USA, ragt der auch Freedom Tower genannte Turm nach seiner Krönung in den Himmel. Weltweit gibt es nur zwei höhere Gebäude.
Der neue Büroturm wird seit 2006 auf einem 60 Meter tiefen Fundament gebaut. Die letzten Teile der Spitze waren schon in der vergangenen Woche auf das Dach gehievt worden, wurden aber erst jetzt montiert. Damit hat New York nach 40 Jahren Chicago den Titel des höchsten Gebäudes der USA abgenommen. Der Willis Tower, früher Sears Tower, war mit 527 Metern höher als das 1 WTC ohne seine 124 Meter hohe Spitze. Seit diese nun montiert ist, ist er 14 Meter kleiner.
Noch sind die oberen Stockwerke des gewaltigen Turmes aber unverkleidet. Das Gebäude wird vermutlich im nächsten Jahr eröffnet. Es soll schon zu 55 Prozent vermietet sein. Ursprünglich hatte das Gebäude nach einem Konzept des Architekten Daniel Libeskind sehr viel origineller sein sollen. Weil die Besitzer den Entwurf aber für zu utopisch hielten, entwarf der Amerikaner David Childs einen schlichteren Turm.
Das ganze Projekt soll knapp vier Milliarden Dollar kosten. Neben «One World Trade Center» entstehen noch drei weitere hohe Bürogebäude, nämlich das knapp 412 Meter hohe «Two WTC», das 378 Meter hohe «Three WTC» und das 298 Meter hohe «Four WTC». Der Vorgängerkomplex bestand aus sieben Gebäuden, die zum größten Teil bei den Anschlägen 2001 zerstört wurden.
Ursprünglich sollte das Bauwerk «Freedom Tower» heißen. Vor vier Jahren wurde das Projekt jedoch in die schlichte Postadresse «One WTC» umbenannt. Das hatte für viel Kritik gesorgt: Zum einen wurde der Begriff «Freiheitsturm» als Signal verstanden, zum anderen war «One WTC» auch die Adresse des vor zwölf Jahren zerstörten Nordturms. Viele New Yorker bezeichnen das neue Gebäude deshalb weiter als «Freedom Tower».

Rust (dpa) – Neues Glück für Stefan Mross (37): Fünf Monate nach seiner Scheidung von Sängerkollegin Stefanie Hertel (33) ist der ARD-Moderator und Volksmusiksänger die zweite Ehe eingegangen.
Mross heiratete im engsten Freundes- und Familienkreis die Berliner Fernsehredakteurin Susanne Schmidt (32). «Wir sind überglücklich und haben diesen besonderen Tag sehr genossen», sagte Mross am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatte die «Bild»-Zeitung darüber berichtet. Mross und Schmidt sind schon seit längerem ein Paar. Sie heirateten in der bayerischen Heimat des Sängers.
Mross und seine erste Ehefrau Hertel hatten sich Anfang Dezember scheiden lassen. 15 Monate zuvor hatten sie sich getrennt. Das Paar hat eine elf Jahre alte gemeinsame Tochter. Mross und Hertel galten lange als Traumpaar der Volksmusik. Sie waren 17 Jahre ein Paar, fünf Jahre davon waren sie verheiratet.
Der im Chiemgau in Oberbayern lebende Mross moderiert seit 2005 die ARD-Unterhaltungsshow «Immer wieder sonntags». Sie kommt live aus dem Europa-Park in Rust bei Freiburg. Die diesjährige Staffel beginnt am 26. Mai.

Er ist einer der bekanntesten Sänger der Welt und hat 350 Millionen Platten verkauft. Sein musikalisches Talent bewertet Julio Iglesias allerdings nur als durchschnittlich. mehr »

Heftige Schauer und Windböen haben am Samstag die Stimmung auf dem «Hurricane»-Festival in Scheeßel nicht trüben können. Einige Festivalgänger nutzten die Regenpause, um etwas Schlaf in ihrem Zelt nachzuholen.
Andere trotzten tapfer den Güssen. «Da muss man ausharren», sagte Besucherin Caroline Baufeld. Das Konzert der Folk-Pop-Band Cloud Control mussten die Veranstalter jedoch unterbrechen, weil der Regen die Bühnentechnik zu beschädigen drohte. Später kam dann immer wieder die Sonne raus. Im Laufe des Nachmittags füllte sich das Festivalgelände. Am Abend sollten unter anderem die Crossover-Band Incubus, die britischen Kaiser Chiefs und die Rocker von My Chemical Romance auf den Bühnen stehen.
Die Polizei rechnete vor allem bei der Electro-Band Frittenbude mit einem großen Andrang. Im vergangenen Jahr hatten so viele Fans Frittenbude sehen wollen, dass das Konzert wegen des Gedränges vor dem vollen Zelt abgebrochen werden musste. «Diesmal sind wir darauf vorbereitet», sagte Polizeisprecher Detlev Kaldinski.
Zum Auftakt von Norddeutschlands größtem Festival im Kreis Rotenburg hatten am Freitag bereits Größen wie Arcade Fire, Portishead und The Chemical Brothers das Publikum begeistert. Bis in die frühen Morgenstunden feierten viele Besucher im Discozelt weiter.
Fast 80 Bands treten in diesem Jahr auf dem «Hurricane» auf. Die Veranstalter erwarten über das Wochenende rund 73 000 Besucher. Am Sonntag geht das Festival mit dem Konzert der US-Rockband Foo Fighters zu Ende.

Clarence Clemons, der langjährige Saxophonist der E Street Band von Bruce Springsteen, ist tot. Der 69-Jährige sei am Samstagabend an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben, teilte Springsteen auf seiner Internetseite mit.
«Der Verlust ist unermesslich, und wir sind geehrt und dankbar, ihn gekannt und die Möglichkeit gehabt zu haben, fast 40 Jahre an seiner Seite zu stehen», sagte Springsteen (61). Clemons war Medienberichten zufolge am Sonntag vergangener Woche in seinem Haus in Florida nach einem Schlaganfall zusammengebrochen. Er sei «schwer krank», schrieb das Musikmagazin «Rolling Stone». Nach Angaben Springsteens führten Komplikationen am Samstagabend dann zum Tod seines langjährigen Wegbegleiters.
Clemons, unter seinen Kollegen und Fans als «Big Man» bekannt, gab mit seinem kraftvollen Saxophon vielen Hits von Springsteen wie «Born to Run» und «Jungleland» ihren unverwechselbaren Sound. Er gehörte zur ersten Garde der Band, die den Rocksänger seit fast vier Jahrzehnten auf Tourneen und bei Studioaufnahmen begleitet.

In nur einer Saison hat Dirk Nowitzki in den USA sein Verlierer-Image abgelegt und sich gleichzeitig in die Riege mit den ganz großen Namen seines Sports katapultiert. Er sei «einer der größten Basketballer aller Zeiten», adelte ihn Lakers-Legende Earvin «Magic» Johnson vor kurzem.
Und Bostons dreifacher Champion Larry Bird meinte sogar, es sei eine Ehre für ihn mit dem Deutschen verglichen zu werden – nicht etwa umgekehrt. Heute feiert Nowitzki seinen 33. Geburtstag.
Mit dem ersten Meistertitel in der nordamerikanischen Profiliga NBA hat sich Nowitzki mit seinen Dallas Mavericks den zweiten großen Traum erfüllt. «Ich habe zwei Ziele in meiner Karriere: einmal an Olympischen Spielen teilnehmen und den Meisterring in der NBA», hatte der 2,13-Meter-Hüne in den vergangenen Jahren immer wieder gesagt.
Die Olympia-Teilnahme gelang ihm vor drei Jahren in Peking, wo er die deutsche Delegation bei der Eröffnungsfeier sogar als Fahnenträger anführen durfte. Als die Qualifikation für Olympia perfekt war, ging Nowitzki mit einem Handtuch über dem Kopf weinend vor Glück in die Kabine. Und auch nach dem entscheidenden 105:95 der «Mavs» in Miami brauchte er einige Momente für sich alleine, bevor er die Meistertrophäe und den Pokal als wertvollster Spieler (MVP) der Finalserie in die Höhe stemmte.
2006 war er schon einmal nah am Titel: Auch damals ging es gegen Miami Heat – doch Dallas und Nowitzki gingen nach einer 2:0-Führung noch 2:4 unter. Als «zu weich» wurde «Dirkules» bezeichnet. Er sei keiner, der eine Mannschaft führt. Nowitzki hat seine Kritiker nun endgültig widerlegt, er ist der Kopf der Mavericks und wird in Dallas verehrt wie kein anderer.
Während er individuelle Auszeichnungen sammelte, waren die Mannschaftserfolge bislang rar gesät: Mit dem Nationalteam gewann er WM-Bronze 2002 und EM-Silber 2005. Er drohte sich in die Liste der Legenden Charles Barkley, John Stockton, Karl Malone, Patrick Ewing und Elgin Baylor einzureihen, die nie den NBA-Titel gewinnen konnten.
Nowitzki ist ein Superstar ohne Allüren, ein Teamplayer in Dallas und der DBB-Auswahl. Er verzichtete im vergangenen Sommer für seinen neuen Vierjahresvertrag auf 16 Millionen Dollar, damit sich die Texaner verstärken konnten. Als vor zwei Jahren publik wurde, dass seine damalige Freundin Crystal Taylor eine Kriminelle war, litt der zurückhaltende Deutsche Höllenqualen. Wochenlang tauchte er in den Klatschspalten auf.
Der NBA-Titel ist der sportliche Höhepunkt in seiner Karriere, die er als Zehnjähriger in der Schulmannschaft des Würzburger Röntgen-Gymnasiums begann. Fünf Jahre später entdeckte Ex-Nationalspieler und Mentor Holger Geschwindner, der den Aufstieg seines Zöglings in den Basketball-Olymp in Miami mit feuchten Augen auf der Tribüne verfolgte, das Talent und förderte ihn.
1997 absolvierte Nowitzki als Zweitligaspieler sein erstes Länderspiel, im Folgejahr sicherten sich die Milwaukee Bucks im NBA-Draft die Rechte an dem «German Wonderkind», tauschten ihn aber mit dem im Mai gestorbenen Robert Traylor nach Dallas.
Einige Jahre vor dem Gang in die USA war Nowitzki noch die Bundesliga-Tauglichkeit abgesprochen worden. «Was wollen Sie denn mit dem Zündblatt?», hatte ein Funktionär des Bundesligisten Steiner Bayreuth gesagt, als ihm geraten wurde, das Talent zu sichten.
| NAME | BERUF | ALTER | GEBURTSDATUM | GEBURTSORT | GEBURTSLAND |
| ABDUL, Paula | amerikanische Popsängerin und Choreographin | 48 | 19.06.1963 | San Fernando | USA |
| TURNER, Kathleen | amerikanische Schauspielerin | 57 | 19.06.1954 | Springfield | USA |
| RUSHDIE, Salman | britisch-indischer Schriftsteller | 64 | 19.06.1947 | Bombay | Britisch-Indien |

Bei Taiwan denkt mancher vielleicht zuerst an exotische Tempel und Konfuzius. Doch die Hauptstadt Taipeh ist sehr amerikanisch geprägt. Kein Wunder, dass hier die Eagles ein Gastspiel im Rahmen ihrer Asienteournee gaben, die sie erstmals auch nach China führte.
Verkörpern sie doch den American Way of Life wie kaum eine andere Band. Rund 8000 Fans aller Altersklassen hatten sich im Februar in der Linco-Halle versammelt, um einem lockeren Country-Rock zu lauschen, wie ihn nur wenige spielen können. Mit üppigem Harmoniegesang im Hintergrund, der Songs wie «Hotel California» und «Take It Easy» zu Evergreens machte.
Wären nicht die Falten und Bauchansätze der Musiker, käme man sich vor wie gefangen in einer Zeitkapsel, zurückkatapultiert in die 1970er Jahre. Und diese sind ohne die Songs der Eagles über Western-Outlaws, Kalifornien und Tequila undenkbar. Das Album «Their Greatest Hits (1971-1975)» gilt bis heute als das meistverkaufte in der US-Musikgeschichte. 1998 wurden sie in die Rock & Roll Hall Of Fame aufgenommen.
Das Quartett um Glenn Frey, Don Henley, Joe Walsh und Timothy B. Schmit kann auch nach einer halben Ewigkeit im Rockbusiness noch künstlerisch überzeugen, besonders Henleys warme, leicht nasale Stimme und Schmits süßlicher Falsett erzeugen immer wieder wohlige Schauer – so soll es auch bei der anstehenden Deutschlandtournee werden, die am 19. Juni in Wiesbaden beginnt.
Das dreistündige Konzert der auf 13 Musiker aufgestockten Band in Taipeh ist technisch perfekt, jede Nuance wirkt einstudiert, die Songs haben kaum Ecken und Kanten. Mit Ausnahme der rockigen Soloeinlage des Leadgitarristen Joe Walsh klingt alles rund und schön, manchmal aufwendig mit zusätzlichen Bläsern und Keyboards.
«Die Leute haben gewisse Erwartungen an uns», argumentiert Bandgründer und Multiinstrumentalist Don Henley im dpa-Interview. «Wir sind keine experimentelle Band, wir sind ziemlich vorhersagbar. Dafür werden wir von Kritikern ganz schön niedergemacht. Aber nur weil das Publikum uns so mag, wie wir sind, gibt es uns immer noch.»
2012 jährt sich das Plattendebüt der Eagles zum 40. Mal. Die in den 1970ern oft heillos zerstrittene Band spielt seit 1994 wieder zusammen und ist der internen Machtkämpfe müde geworden. «Wir sind heute alle toleranter», zieht Joe Walsh Bilanz. Sein Heulen bildet einen willkommenen Gegenpart zu den glatten Harmonien der Kollegen. «Auf den Erfolg, den wir in den 1970ern hatten, waren wir überhaupt nicht vorbereitet, aber wir haben ihn voll ausgekostet. Nach all diesen Erfahrungen arbeiten wir mittlerweile sehr gern zusammen. Ich habe in vielen Bands gespielt, aber die Eagles sind ganz speziell. Heute schieben wir unsere Egos beiseite und konzentrieren uns voll und ganz auf unsere Kunst und unser Können.»
Dass bei den Eagles eine gute Portion Nostalgie mitschwingt, gibt Don Henley unumwunden zu. Aber die Band sei trotzdem noch von Bedeutung. 2007 veröffentlichte sie das Doppelalbum «Long Road Out Of Eden». Darauf kritisierten die Musiker in zum Teil düsteren Songs vehement die Politik des damaligen US-Präsidenten George W. Bush. «Wir konnten nicht ewig mit den alten Sachen touren, wir mussten in jedem Fall ein neues Album machen», sagt der gebürtige Texaner Henley. «Auch, wenn es niemand gemocht hätte.»
Arbeit ist für den inzwischen 63-jährigen Multimillionär, dessen Nachbar in Malibu Thomas Gottschalk ist, nach wie vor eine Herausforderung. Er hofft, dass ihm die Ideen nicht ausgehen. «Ich habe das Gefühl, das Beste kommt erst noch. Egal, ob das stimmt, es ist auf jeden Fall ein Grund, morgens aufzustehen.»
Gitarrenmeister Joe Walsh hat sämtliche Höhen und Tiefen des Musikgeschäfts durchlebt und sich durch «Life’s Been Good» selbst ein Denkmal gesetzt. Für ihn gibt es heute nichts Schöneres, als in dieser Band zu sein. «Es kann passieren, dass man dieses Gefühl eine Zeit lang nicht hat, aber es kommt immer wieder. Dann hat man keine Kontrolle mehr über das, was man da gerade macht. Jeden Abend Punkt 20 Uhr muss ich dem Publikum weißmachen, dass ich immer noch 25 bin – und zwar für drei Stunden. Diese Art von Disziplin liebe ich.»

«Perfect Darkness» – ein Albumtitel, wie er passender nicht sein könnte. Das vierte Werk des Briten Fin Greenall alias Fink innerhalb von nur fünf Jahren ist die perfekte Untermalung der dunklen Stunden des Tages.
Ein subtiles Mitternachtsalbum mit wunderbaren Folk/Soul-Melodien und überwiegend träge pulsierenden Grooves, die sich nach einem hektischen Tag wohltuend in Herz und Hirn bohren.
«Perfect Darkness» ist ein suchterzeugender Trip, der von Greenalls hypnotischer Stimme und seiner virtuos gezupften und geschlagenen Nylonstring-Gitarre getragen wird. Zum Trio Fink – nicht zu verwechseln mit den Hamburger Countryrockern um Nils Koppruch – gehören noch Guy Whittaker (Bass) und Tim Thornton (Schlagzeug, E-Gitarre), die den Sound unauffällig, aber sehr effektvoll erweitern und verdichten. Ein paar elektronische Klangeffekte, hier und da Streicher, das war’s.
«Perfect Darkness» ist ein Album aus einem Guss, und es fällt schwer, einzelne Lieder hervorzuheben. Aber neben dem Opener und Titelsong beeindruckt doch «Warm Shadow» besonders nachdrücklich: Eine dunkel getönte, sehr rhythmische Akustikgitarre treibt den Track voran, Greenalls warmer, leidenschaftlicher Gesang steuert Soul-Feeling bei, ehe Bass und Schlagzeug sanft Richtung Tanzfläche steuern.
«Perfect Darkness» ist ganz nebenbei auch ein Referenzwerk für HiFi-Fetischisten. Die Ballade «Save It For Somebody Else» oder das anschließende «Who Says» beispielsweise hat Produzent Billy Bush in den Steakhouse Studios von North Hollywood/Kalifornien auf dem höchsten audiophilen Niveau aufgenommen und abgemischt. Es klingt einfach fantastisch, wenn diese reduzierten Trio-Arrangements in selten gehörter Klarheit und Brillanz aus den Boxen perlen. Definitiv eine Platte für gute Stereo-Anlagen oder Kopfhörer.
«Perfect Darkness» sollte Fink eigentlich den Durchbruch bringen, den die Band spätestens mit dem tollen Vorgänger «Sort Of Revolution» verdient gehabt hätte. Der begehrte Produzent und DJ Greenall ist längst in die erste Garde der britischen Singer/Songwriter aufgerückt und hat sich mit seinem neuen Album nochmals selbst übertroffen. Aber vermutlich fehlt dieser herausragenden Platte wieder mal ein Hit, der ihr zum notwendigen Schub für die Charts verhilft.
«Perfect Darkness» spiegelt also auch das Elend heutiger Qualitäts-Popmusik, die sich nicht aufdrängt und daher ein Nischendasein fristet. Insofern steht Fin Greenall nicht nur musikalisch in der Tradition eines Nick Drake oder Tim Hardin, deren Genie von einem breiten Publikum erst viel zu spät entdeckt wurde. Fans von Songwriter-Musik jenseits aller Rock-, Blues- oder Country-Klischees dürften in diesem Jahr kaum ein besseres Album finden.
Konzerttermine im Juni: 22.6. Hamburg; 23.6. Berlin

Drei Tage laute Rockmusik, Dosensuppe zum Frühstück und durchtanzte Nächte: Beim «Hurricane»-Festival im niedersächsischen Scheeßel haben sich die Besucher schon vor den ersten Konzerten am Freitag in Party-Stimmung gebracht.
Mittags waren bereits 50 000 Musikfans auf dem Gelände. «Auf dem Campingplatz glühen schon die Ersten vor», sagte ein Polizeisprecher. Am Abend sollten musikalische Größen wie Portishead, Arcade Fire und Jimmy Eat World auftreten. Mit rund 73 000 Musikfans rechnen die Veranstalter. Bis Sonntag sollen fast 80 Bands aus der Rock-, Pop- und Electro-Szene auf den vier Bühnen spielen.
Auch in Neuhausen ob Eck in Baden-Württemberg feiern Zehntausende: Bis zu 50 000 Besucher wurden dort zum 12. Southside Festival erwartet. Vier Bühnen auf einem ehemaligen Heeresflugplatz nahe der Gemeinde im Kreis Tuttlingen bieten Platz für bekannte Bands wie die Foo Fighters oder die Arctic Monkeys.

Mitten in einer Londoner Fußgängerzone gibt es Zoff. Zwei junge Typen brüllen sich an. Die Leute drehen sich um, schauen nach, was da los ist. Plötzlich fängt einer der beiden Rüpel an zu singen.
Und damit nicht genug: Von allen Seiten stimmen Leute mit ein. Auf einmal ist ein ganzer Chor wie aus dem Nichts aufgetaucht. «All You Need Is Love» von den Beatles klingt aus 500 Kehlen. Als der Song vorbei ist, gehen alle weg. Die Straße sieht wieder so aus, als ob nichts gewesen wäre.
Was war denn da los? Die nicht-eingeweihten Passanten lächeln, sind amüsiert, aber auch leicht verwirrt. Einige haben spontan mitgesungen. Das Ganze war ein sogenannter Flashmob-Chor, organisiert von zwei 19 Jahre alten Londoner Musikstudenten. Sie wollen Musik unter die Leute bringen, und damit kleine Glücksmomente in den grauen Stadtalltag. Nachdem sie London bereits mit einer erfolgreichen Aktion zum Klingen gebracht haben, steuern sie nun die ganze Welt mit ihren Melodien an. «Wir wollen auch in anderen Ländern die Leute mit Musik überraschen, wenn sie am wenigsten damit rechnen», sagt Organisator Max De Lucia.
Aber was ist eigentlich ein Flashmob-Chor? Flashmobs – derzeit schwer in Mode – sind scheinbar spontane Zusammentreffen von manchmal Hunderten Menschen an bestimmten Orten. Meistens entsteht die Zusammenkunft wie aus dem Nichts und ist ruckzuck wieder vorbei.
Organisiert werden solche Treffen oft über soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter im Internet. Wildfremde Menschen treffen aufeinander, um sich zum Beispiel mit Kissen zu bewerfen oder gegen etwas zu demonstrieren. Als Chor sieht das so aus wie in London: Zahlreiche Leute sind wenige Minuten im Einklang, und trennen sich dann wieder.
«Es sollte die Leute glücklich und fröhlich machen», sagt De Lucia, der den London Flash Choir zusammen mit seinem Studienkollegen Fred Feeney gegründet hat. Ganz neu ist die Idee nicht. Bisher aber seien meistens nur einzelne Worte oder kurze Passagen gesungen worden, nie ganze Lieder, erklären die beiden. Eines Abends sei ihnen deshalb spontan die Idee gekommen, einen Chor zusammenzutrommeln, der auch durch Qualität überzeugt und ganze Stücke singt. Feste Mitglieder sollte er nicht haben, und eigentlich sollten es nur wenige Leute werden. Dass am Ende rund 500 Menschen, auch aus anderen Teilen Großbritanniens, zum Mitsingen nach London kommen würden, hätten sie nicht erwartet.
«Wir dachten, es ist mittlerweile so leicht, Musik zu bekommen. Man kann sich alles im Internet anhören oder herunterladen», sagt De Lucia. «Aber Live-Musik zu erleben, das ist gar nicht so einfach. Wenn man nicht jemand ist, der viel auf Konzerte geht und Geld ausgibt dafür, ist es schwierig, Zugang zu Live-Musik zu bekommen.» Außerdem gebe Musik den Leuten ein Gemeinschaftsgefühl. «Beim Flashmob-Chor hat man auch dieses soziale Element. Die Leute kennen sich gar nicht, aber fühlen sich irgendwie trotzdem wie eine Gruppe.»
So spontan ein Flashmob auch sein soll, eine kleine Generalprobe für den Auftritt mitten in London gab es schon. Kurz vor den Gesangseinlagen in der Innenstadt konnte jeder, der wollte, zum Üben in den Innenhof der Uni kommen, an der die beiden Komposition studieren. «Wir wollten nicht, dass es wie ein Rugby-Team klingt. Denn dann hätten wir nicht die Wirkung erzielt, die wir wollten. Wenn Musik nicht halbwegs gut gemacht ist, kann es echt daneben gehen», erklärt de Lucia.
Wann genau der Flashmob-Chor wieder auftaucht, wird nicht verraten. Aber nach der ersten gelungenen Gesangseinlage wollen sie definitiv weitermachen, kündigt De Lucia an. «Das Tolle daran ist, dass jeder singen kann. Auch, wenn manche das anders sehen. Aber am Ende singt doch jeder Mensch gerne.»